Im Interview gibt Alex Diehl offene Einblicke in sein Leben

„Laut“ ist sehr emotional: Ein therapeutisches Album?
Auf jeden Fall, denn die letzten Jahre waren privat ziemlich heftig für mich. Neben familiären Problemen und schweren ärztlichen Notfällen litt ich plötzlich sehr lange an starken Stimmschmerzen, die sich kein Arzt, kein Spezialist erklären konnte. Ich dachte, ich muss meine Berufung an den Nagel hängen. Das war schlimm.

Wie geht es dir heute?
Ich habe immer noch Schmerzen, aber viel weniger. Heute spiele ich einfach weniger Shows am Stück. Das ist auch in Ordnung so, weil ich so wirklich jedes Konzert voll genießen kann. Ich mache das mit ganz viel Inbrunst, die Leute sollen mit mir weinen und lachen. Das ist mein Anspruch. Am Ende möchte ich den Menschen Mut und Hoffnung mitgeben, aber ohne, dass ich ihnen etwas vorlüge. Also nicht wie im Schlager.

Funktioniert so viel Authentizität im Musikbusiness?
Man wird nicht reich damit, das ist klar. Aber so möchte ich arbeiten und nicht immer, wie mit großen Labels im Rücken, an den ZDF Fernsehgarten denken. Ich mache alles gemeinsam mit meinem eigenen kleinen Team, nach meinen Spielregeln, mit meinen künstlerischen Ansprüchen. Und siehe da: Wenn gerade keine Corona-Krise ist, funktioniert das. Ich bin ein beständiger Künstler mit einer treuen Fanbasis und gut besuchten Konzeren.

Wollten Labels dein Image schon mal umwandeln?
Klar, da wurde viel versucht. Von der Flanellhemd-Tragepflicht, über den Lederhosen-Style bis hin zum bayerischen Country-Waschbrett-Spieler. Wieder andere wollten eine Art deutschen Meat Loaf aus mir machen. Absolut lächerlich.

Ist dieser Seelenstriptease in deinen Songs einfach für dich?
Wenn ich die Songs schreibe, schreibe ich ja erst einmal nur für mich. Und dann denke ich mir: Wenn ich das so fühle, dann fühlen das andere auch, dann kann das anderen helfen. Beim Live-Spielen ist das anders: Jeden Abend über die eigenen Dämonen und Schicksalsschläge zu singen, das kann hart sein. Aber: Ich habe noch nie ein schlechtes Konzert gespielt. Weil bei mir immer alles ehrlich und emotional ist, hole ich die Leute ab, zum Beispiel wenn ich von meinen Schwächen erzähle. Da entsteht eine spezielle Eigendynamik zwischen mir und dem Publikum, das ist toll.

Warum der Albumtitel „Laut“?
Derzeit sind viele Arschlöcher, das kann man nicht anders sagen unterwegs, unterwegs - in den Kommentarspalten des Internets und in der echten Welt. Da muss man einfach laut dagegenhalten.

 

Du lebst nach wie vor hier?
Ja, ich wohne in Oberbayern. Ich bin zwar weder recht traditionsbewusst noch religiös, aber man muss einfach sagen wie es ist: Es ist wunderschön hier. Damit es noch schöner wird, würde ich mir wünschen, dass wir noch offener werden.