Alltagsabenteuer Bogenschießen: Faszinierende Zielübung

Warum Bogenschießen Erfolgserlebnisse schenkt und was Pfeil und Bogen mit innerer Ruhe zu tun haben

 

Bogenschießen soll die Konzentration erhöhen, die Persönlichkeitsentwicklung fördern und nebenbei jede Menge Spaß machen. Höchste Zeit also, es auszuprobieren. Und zwar im Bogensport Zentrum Chiemgau. Roman Heigenhauser hat das Zentrum vor 16 Jahren in Ruhpolding gegründet, ist selbst u.a. Goldmedaillengewinner bei der Deutschen Meisterschaft WA (World Archery Federation) Feld und beeindruckend tiefenentspannt. Wenn er die unterschiedlichen Bögen erklärt und den richtigen Abschuss zeigt, ahnt man, welche Faszination vom Bogenschießen ausgehen kann. Drei Dinge braucht es, erfahre ich, um diesen Sport betreiben zu können: den richtigen Bogen, den passenden Pfeil und den inneren Anker, der Ruhe in Energie umsetzt.

 

Bogenvielfalt
Der Bogen beruht auf dem Prinzip eines elastischen Stabes, der mit einer Sehne gespannt wird und dadurch wie eine Feder potentielle Energie aufbaut, die sich beim Lösen der Sehne freisetzt und den Pfeil nach vorne schießt. Je stärker dabei die Spannkraft des Bogens ist und je länger die Sehne ausgezogen wird, desto schneller, weiter, geradliniger und durchschlagskräftiger fliegt der Pfeil. Dieses Prinzip gilt für jeden Bogen und doch gleicht im Bogensport (fast) kein Bogen dem anderen. Sie unterscheiden sich in Material, Verarbeitung und Zubehör (siehe Foto).

 

Pfeilgenau
Die Pfeile bestehen aus Fiberglas, Carbon oder Aluminium und erreichen eine Geschwindigkeit von 50 bis 100 Meter in der Sekunde.

 

Zielauge
„Jeder Mensch“, erklärt Roman Heigenhauser, „hat ein dominantes Auge“. Das muss bei einem Rechtshänder nicht unbedingt das rechte sein, ist bei mir aber so. Herausfinden kann man das, indem man beide Arme ausstreckt, mit den Fingern einen kleinen Kreis bildet und durch diesen mit beiden Augen ein Ziel fixiert. Wenn man jetzt abwechselnd die Augen schließt, ist nur bei einem Auge das Ziel im Kreis sichtbar. Das ist das Zielauge. Wichtig ist dies, da es Bögen für Schützen mit rechtem und linkem Zielauge gibt.

 

Innerer Anker
Ich stehe also mit dem richtigen Bogen da, lege den Pfeil ein, ziehe die rechte Hand gegen den Widerstand der Sehne gerade nach hinten, bis der Knöchel des Zeigefingers meinen rechten Mundwinkel berührt, kontrolliere die Linie meines Ellbogens und der Schultern, übergebe die Kraftanstrengung von den Muskeln auf die Knochen, was man im Bogensport „Ankern“ nennt und mir (noch) nicht wirklich gelingt, richte mein Auge auf das Ziel und öffne meine Finger der rechten Hand, so dass der Pfeil fliegen kann, halte die Stellung, um den Schuss nicht zu verreißen, höre das Sirren und sehe, wie sich der Pfeil in die - zugegebenermaßen sehr große - Zielscheibe bohrt. Dennoch erfüllt mich ein Hochgefühl! Mein Mann trifft mit drei von vier Pfeilen gleich beim ersten Versuch in den inneren Zielkreis und wechselt in den 3D-Parcours.

3D-Bogenschießen
Das Bogensport Zentrum Chiemgau hat einen Parcours mit 24 Stationen und über 30 Zielen. Bären sind darunter, Wölfe, Wildschweine und Dammwild. Natürlich sind die Tiere nicht echt, sondern aus Schaumstoff gefertigt. Und dennoch empfindet das 3D-Bogenschießen durch die dreidimensionalen Ziele und das unebene, natürlich Gelände die Jagd nach und bietet dadurch einen besonderen Reiz. Das spüre ich, als mein Mann auf das Wildschwein anlegt. 25 Meter ist er von dem Schaumstofftier entfernt, geht die Checkliste durch, die uns Roman Heigenhauser vermittelt hat, atmet tief ein und schießt den Pfeil ab. Getroffen! Wobei sich das Wildschwein dankenswerterweise nicht bewegt hat. Aber das ist nicht wesentlich. Wesentlich ist das Erfolgserlebnis, das meinen Mann strahlen lässt.

 

 

Raphaela Kreitmeir

 

 

Ludwig Ausgabe April 2017

 

Info:

 

Bogenschießen kennenlernen oder aktiv im 3D-Parcours schießen kann man u.a. in Ruhpolding. Mehr Infos unter www.bowhunting-chiemgau.de

 

 

Fotos:

Teaser/Startseite:

Redakteurin Raphaela Kreitmeir in Aktion

 

Foto 1 im Beitrag: 

Bogenvielfalt (v.l.n.r.): Ein von Roman Heigenhauser selbst gefertigter Langbogen aus dem Holz des Osage Orange, des Milchorangenbaums, den bereits die Indianer für ihre Bögen nutzten. Daneben ein glasfaserverstärkter Langbogen, ein teilbarer Jagdrecurve mit Holzmittelteil, ein teilbarer Jagdrecurve mit Metallmittelteil, ein einteiliger Jagdrecurve, ein teilbarer Jagdrecurve mit Metallmittelteil + Köcher + Stabilisator

 

Foto 2 im Beitrag: 

Roman Heigenhauser ist Bogensport-Profi und versteht es, die Kunst des Bogenschießens entspannt zu vermitteln

 

Foto 3 im Beitrag: 

Wenn der Kabarettist zum Jäger wird: Uli Bauer beim 3D-Bogenschießen