Leidenschaft Bike

Udo Kewitsch war von Alaska bis Nepal mit dem Rad unterwegs. Denn Mountainbiken ist seine Passion und er gilt als Top-Insider in Sachen Alpenüberquerung. Ein Gespräch über die schönsten Touren, wirkliche Challenges und unbedingte Hotspots im Bikerleben.

 

Wie kamst Du zum Mountainbiken?
Als meine aktive Zeit im Squash aufgrund von Kniebeschwerden endete, kam Anfang der 90iger Jahre genau der Bike-Boom. Das fand ich spannend. Ein gebrauchtes Motobecane MTB war der Einstieg in unheimlich anstrengende Zinnkopf-Touren. Seither, also seit knapp 30 Jahren, lässt mich das Mountainbiken nicht mehr los.

 

Was ist das Besondere für Dich am Biken?
Die Freiheit, denn ich entscheide, wo ich hinfahre und wie lang die Tour ist. Das Wilde, denn die Natur hat so viele Facetten. Der Genuss, der das Bierchen auf der Alm genauso einschließt wie den Blick ins Tal. Und dann noch die Technik und die Ästhetik meiner Bikes.

 

In wie vielen Ländern warst Du bisher mit dem Rad unterwegs?
Von Alaska bis Nepal. Wir haben eine alte Handelsroute von Kathmandu bis Pokhara kartographiert und sind einmal eine Woche spontan von Anchorage nach Seaward geradelt. Aber auch der Trip rund um Irland war klasse, meine Touren nach Prag oder Bratislava ebenso wie die Reise von Maloja nach Passau und und und ...

 

Was war Deine anstrengendste, was Deine schönste Tour?
Die anstrengendste und sensationellste Tour war mein 7Seen Cross, weil sie sehr einsam war, äußerst unwegsam und mit knapp 17.000 Höhenmetern wahnsinnig intensiv. Die schönste Tour war meine Version der sogenannten Joe Route von Oberstdorf nach Riva, weil da eigentlich alle AlpX Highlights enthalten sind. Beide Touren kann man in meinen AlpX Büchern nachlesen.

 

Du giltst als der Top-Insider, wenn es um Alpenüberquerungen geht. Wie oft hast Du die Transalp-Tour bisher gemacht?
Am 30. Dezember vergangenen Jahres hab´ ich die Zwanzig vollgemacht. Da sind wir erstmals mit dem Fatbike über die Alpen. Ein Winteralpencross zum Jubiläum, von Innsbruck nach Brixen. Kühl, aber cool. Wir hatten traumhaftes Wetter. Das Video dazu gibt es auf YouTube.

 

Was sind die anstrengendsten Wegabschnitte?
Wenn es ruppig wird, wenn schieben nicht mehr hilft und Du Dein Bike (samt Ladung) schultern musst und es zudem auch noch steil ist, dann kommt der Moment, an man zu denken beginnt: „Ey ...“

 

Und was hilft durchzuhalten?
Ich sage mir immer in solchen „Ey …“-Momenten: „Udo, arbeite es ab“. Eine Kehre nach der anderen, ein Abschnitt nach dem anderen. Noch 500, 400, 300, 200 Höhenmeter. Manchmal sage ich mir: „Es ist wie Meditation.“ Das hilft.

 

Wie fit sollte man für eine Alpenüberquerung sein und wie wird man fit genug?
Es schadet nicht, wenn man vor dem Cross schon mal Höhen- und Kilometer gesammelt hat. Wer im April/Mai ca. 10.000 Höhenmeter in den Schenkeln hat, muss keine Angst bis Juli bekommen. Regelmäßiges Fahren hilft, und wenn es nur der Hausberg nach Feierabend ist. Grundfitness und natürlich Gesundheit sind allerdings Voraussetzungen.

 

Deine Empfehlung für die kommende Radsaison lautet?
Mein Credo: Tu es einfach, es macht glücklich. Ganz egal ob das Micro-Adventure vor der Haustür oder die „dicke Tour“ über mehrere Tage. Mindestens drei Hotspots gibt es für ein Bikerleben: Val di Uina in der Schweiz, der Bindelweg in Italien und der Coppa Yoghurt im Café Sole am Hafenbecken von Riva nach einem gelungenen Alpencross.

 

In zwei Bänden hat Udo Kewitsch seine „Faszination Alpen X“ festgehalten. Beide Bücher vermitteln die Emotion und Leidenschaft rund um den Alpencross. Inkl. neuen Bike-Touren zum Gardasee, Tipps, Tricks und Know-how für Crosser, vielen Infos und Adressen. Erschienen in frischluft-Edition. Mehr über seine Bücher und seine Passion unter www.udokah.de

 

 

- Fotos: Udo Kewitsch -