Auf Schritt und Tritt entspannt

Maximilian Hundhammer und Matthias Drexlmair sind leidenschaftliche Outdoorsportler, BWLer und Gründer der Firma Doghammer. Im LUDWIG-Talk sprechen sie über ihre Erfahrungen als Start-up, über die Anfänge mit gehäkelten Schuhen und darüber, warum für sie als Produktionsstandort nur die Region hier in Frage kommt. 

 

Gibt man bei Google „Flip Flops“ ein, erhält man in 0,71 Sekunden 28.300.000 Ergebnisse. Das Angebot reicht von Billigware für 6,99 Euro bis hin zu Armani-Zehenstegsandalen für 400 Euro. Wie kommt man da auf die Idee, auch Flip Flops herzustellen?

 

Maximilian Hundhammer (MH): Wir kommen selbst aus dem Outdoor-Sport und haben viele herkömmliche Schuhe ausprobiert, die alle nicht lange überlebt haben. Also wollten wir hier in der Region einen Schuh herstellen, der allen Anforderungen gewachsen ist.

Matthias Drexlmair (MD): Bei all den Schuhen zwischen 6 und 400 Euro war nichts dabei, was hält. Und von den Materialien bekam man regelmäßig Blasen zwischen den Zehen.

 

Was macht Doghammer aus?

MH: Unsere Schuhe sind fair, individuell und entstehen in Handarbeit.

MD: Wir lassen hier in der Region fertigen und zwar in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Jeder Schuh entsteht in Handarbeit und ist ein Unikat. Zudem kann sich jeder Kunde seinen Doghammer individuell zusammenstellen und auch anpassen lassen.

 

Warum heißen Eure Zehentrenner eigentlich nicht einfach Flip Flops?

MH: Flip Flop ist eine geschützte Marke.

MD: Wir wollen uns auch rein vom Namen her von den 0815-Produkten abheben. Zudem macht unser Schuh beim Gehen auch nicht Flip-Flop.

 

Eure ersten Modelle hatten eine gehäkelte Sohle. Wie kommt man als Mann aufs Häkeln?

MH: Meine Mama und Oma haben früher immer gehäkelt und gestrickt. Ich fand cool, was man mit Wolle alles machen kann. Und als ich nach dem Abi in einem Wollladen ausgeholfen habe, lernte ich so nebenbei nähen, stricken und häkeln. Und dann kam mir die Idee mit den Zehentrennern.

 

Welche Vor- bzw. Nachteile hatten Eure gehäkelten Prototypen?

MH: Der eindeutige Vorteil war, dass Wolle ein Material ist, mit dem man einfach alles ausprobieren kann. Der Nachteil von Wolle ist eindeutig, dass man brutal schwitzt. Insgesamt haben wir nur drei Woll-Paare hergestellt.

MD: Der Steg unserer Zehentrenner ist nach wie vor gehäkelt. Da kneift nichts, reibt und reißt nichts.

Von der Idee zur Firma: Wie war der Weg bisher?

MH: Richtig angefangen haben wir im April 2016. Davor lagen zwei Jahre, in denen wir unsere Schuhe von Freunden und Bekannten aus der Kletter-, Biker-, Slackline- und Kajakszene auf Herz und Nieren haben testen lassen. All diese Erfahrungen haben wir in die Weiterentwicklung einfließen lassen. Und jetzt haben wir Schuhe, die verlässliche Begleiter im Outdoor-Bereich sind, sicheren Halt geben, fair produziert werden und einfach cool aussehen.

 

Wie kann man sich die Tests vorstellen?

MD: Eigentlich ganz einfach. Am Anfang steht der Test auf dem Laufband, da werden Kilometer gemacht und geschaut, wie sich der Schuh verhält. Dann geht´s ins Gelände, an den Fels, ins Wasser. So bekommen wir Antworten auf die Fragen, wie sich unterschiedliche Materialien verhalten. Insgesamt bieten wir 50 unterschiedliche Materialien an, von Kunstrasen über Nadelfilz bis hin zu Yogamatten und Kuhfell.

 

Ihr gebt für die ersten beiden Jahre eine Crash-Replacement-Garantie. Wie lange ist denn die Lebensdauer des durchschnittlichen Doghammer-Zehentrenners?

MH: Das kommt natürlich darauf an, wie intensiv man den Schuh beansprucht. Aber so fünf Sommer macht der Schuh locker mit. Zudem bieten wir an, den Schuh neu besohlen zu lassen. Denn ein Doghammer ist kein Wegwerfprodukt, sondern ein zuverlässiger Begleiter.

Ihr habt auch ein Testcenter. Was genau kann man da testen?

MD: Wie sich die Materialien anfühlen, wie es sich im Doghammer läuft. Dafür haben wir einen eigenen Laufpfad installiert.

MH: Unser Testcenter ist auch ein Ort, an dem Begegnung stattfindet. Unsere Kunden, in der Regel Outdoor-Begeisterte, lernen die Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung kennen und schätzen, die unsere Schuhe produzieren.

 

Ludwig-Talk, Ausgabe 06/2017