Hommage an eine Top-Outdoorregion

Als Andreas Friedrich sein Buch schrieb, war die Welt gefühlt noch Millionen Jahre entfernt von Pandemie und Reisebeschränkungen. Jetzt liegt der Rosenheimer Autor total im Trend. Denn statt in die Ferne zu reisen gilt es in diesem Sommer die nähere Umgebung zu entdecken. Ein Gespräch über Auszeit, Abenteuer und Lebensfreude.

 

Die Welt ist riesengroß und lockt mit vielen Abenteuern. Wie kamst du letztes Jahr auf die Idee, besondere Ziele in der unmittelbaren Umgebung zu suchen?

Diese Ziele suche ich schon seitdem ich nach Rosenheim gekommen bin, also seit nunmehr 20 Jahren. Da ist ein wahrer Fundus entstanden. Das Buchprojekt wurde mit dem Dumont-Buchverlag im Frühjahr 2019 vereinbart und ich bin dann viele Touren und Ziele unter den Vorgaben der neuen Buchreihe angegangen. Dabei hat das Stöbern auf den Websites der Verkehrsämter geholfen, man findet da tolle Ideen.

 

„52 kleine und große Eskapaden im Chiemgau“ hast du in deinem Buch zusammengetragen. Wie viele Touren hast du insgesamt gemacht und wie lange warst du unterwegs, um diese Auswahl treffen zu können?

Ich habe 53 Touren speziell für das Buch gemacht: Tour 53 wäre ein Radl-Trip von Traunstein zur Umweltoase des Landesbunds für Vogelschutz bei Garching an der Alz gewesen, fiel aber leider weg.

 

Was waren die wichtigsten Kriterien, um eine Tour zu empfehlen?

Jede Tour hat einen oder sogar mehrere besondere Aufhänger. Dies kann ein tolles Bergpanorama sein, Naturschutzaspekte oder auch Kunst, wie der Rundgang in Rosenheim am Innufer. Viele Touren habe ich extra für das neue Projekt entworfen, manche sind aber auch Klassiker und immer wieder schön. Und es gibt gute neue Ideen der einzelnen Orte, daher ist die „Riederinger Radrunde“ mit drin.

 

Wen hast du als Zielgruppe vor Augen: eher den ambitionierten Outdoorsportler oder den entspannten Freizeitwanderer?

Vielseitige Breitensportler sind die Hauptzielgruppe, aber auch Familien dürften einiges rauspicken können. Selbst bin ich Allrounder ohne Leistungsambitionen, mir geht es um Landschaftsgenuss und tolle Ecken, wozu auch schön gelegene Brotzeitecken gehören. Unterteilt ist dein Tourenführer in „Kleine Abstecher“, „Ausflüge“ und „Miniurlaub“ - damit spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle.

 

Was ist das zeitliche Minimum, das für eine „Eskapade“ im Chiemgau nötig ist, wie lange dauert die

längste Tour?

Gleich die erste Tour ist die kürzeste: Den Barfußpark von Reit im Winkl mit Mini-Wanderung kann man in anderthalb Stunden erkunden. Die längste Tour ist der Maximiliansweg mit fünf Übernachtungen im Chiemgau, wobei die komplette Route vom Bodensee zum Königssee 21 Etappen hat.

 

Dein persönlicher Lieblingsort?

Der Gipfel des Fellhorns oberhalb von Reit im Winkl, mit dem spektakulärem Blick auf die Loferer Steinberge.

 

Womit punktet deiner Erfahrung nach das Chiemgau ganz besonders?

Wie das Buch ja zeigt, ist das Chiemgau eine der Top-Outdoorregionen in Deutschland, und zwar wegen der Vielfalt der Berg- und Seenlandschaft und wegen der Möglichkeiten das ganze Jahr hindurch aktiv sein zu können. Beim Biken und Bergwandern gibt es Touren von leicht bis ambitioniert, damit ist wirklich für jeden etwas dabei – von der Seniorin mit dem E-Bike bis zum Freerider im Bikepark am Samerberg oder vom Familienspaziergang in der Eggstätter Seenplatte bis zu Trailrunning. Dazu kommt ein großes Netz an verkehrsarmen Teersträßchen zum stressfreien Rennradeln.

 

Zielsetzung eines Reisebuchs ist es ja, Tipps mit möglichst vielen Interessierten zu teilen. Blutet da nicht das Outdoorsportler-Herz, wenn sich die Menschen nach der Lektüre deines Buches an den empfohlenen Orten drängen? Oder hast du bewusst ein paar Geheimtipps weggelassen?

Ich bin mir sicher, dass die Leser des Buchs verantwortungsvoll mit der Natur umgehen. Aktuell entdecke ich übrigens ein paar besondere Orte ganz nah bei Rosenheim, aber die behalte ich wirklich für mich.