„Das Gefühl ist gewaltig“

Valentin, in 2.100 Metern Höhe über eine 70 Meter lange Highline laufen - wie seid ihr nur auf diese Idee gekommen?

Die Idee kam ursprünglich von Julian, der den Spot auf einer Skitour entdeckt hat.

 

Hat das Projekt sofort geklappt?

Leider nein. Der Dezember hatte zwar auch recht warm angefangen, was uns die Hoffnung gab, dass wir das Projekt noch durchziehen könnten. Aber wir wurden oben dann doch vom Wintereinbruch überrascht und mussten alles abbrechen.

 

Das war sicher ein sehr frustrierender Moment.

Klar ist man da erst mal deprimiert. Vor allem wollte ich eigentlich mein Filmprojekt über die Highline fertig machen. Es ist immer ein schlechtes Gefühl, wenn etwas halb fertig ist und man in dem Moment nichts machen kann, um es zu beschleunigen.

 

Monate später seid ihr wieder auf den Berg. Hat das Wetter da mitgespielt?

Generell war das Wetter viel besser. Wir hatten zwar zeitweise mit Nebel und schlechter Sicht zu kämpfen, aber letztlich haben wir alles geschafft. Einige Stunden konnten wir mit Sonnenschein auf der Line verbringen.

 

Was denkt man, wenn man in so großer Höhe über ein dünnes Polyesterband balanciert?

Wie man mit der Höhe umgeht, kann man nicht pauschal beantworten. Es kommt in erster Linie darauf an, wie lange man das schon macht und in welcher Umgebung man sich bewegt. Dass man am Wilden Kaiser durch das Klettern, die Ausgesetztheit und die Anstrengung des Aufstiegs eh schon ziemlich angespannt ist, macht es natürlich nicht einfacher, sich auf der Line zu entspannen.

 

Hattest du keine Angst, abzustürzen?

Nein. Ich kann mich auf jeden im Team zu 100 Prozent verlassen, und wir versuchen immer gemeinsam alle alpinen Gefahren so gut es geht zu minimieren. Auf der Highline selbst habe ich immer absolutes Vertrauen in unseren Aufbau.

 

Eine Slackline von 70 Metern Länge schwingt viel stärker als ein kürzeres Band, eine besondere Herausforderung.

Die Herausforderung am Wilden Kaiser war auf jeden Fall die Kombination aus der Länge und der Ausgesetztheit. Normalerweise sind 70 Meter Highline kein Problem. Wenn man aber so lange für eine Line gearbeitet hat, setzt man sich sehr leicht selbst unter Druck, und dann geht meistens gar nichts mehr. Nach ein paar Versuchen konnte ich aber die Line dann komplett durchlaufen.

 

Und deine Freunde?

Für meine Freunde war die Highline kein Problem. Sie sind auf dem Band durch mehr Training um einiges routinierter unterwegs. Da wird dann auch der ein oder andere Trick gemacht. Oder man bleibt einfach mal stehen und genießt den Blick ins Tal.

 

Was fühlt man, wenn man über eine Line 100 Meter über dem Abgrund gelaufen ist und wieder auf festem Boden steht?

Das Gefühl, so ein Projekt zu vollenden und es zu schaffen, die Line komplett durchzulaufen und am Fixpunkt anzukommen ist gewaltig. Die ganze Anspannung löst sich auf einen Schlag auf und man ist nur noch glücklich.

 

Hast du schon immer den Kick, die Gefahr gesucht?

Eigentlich nicht. Erst durch das Highlinen habe ich gelernt, sehr bewusst mit Angst und Gefahren umzugehen.

 

Du bist auch Fotograf und Filmemacher und hast die Aktion gefilmt. Entstanden ist der Dokumentarfilm „Kampf der Elemente“. Wo hast du den Film schon gezeigt?

In München haben wir eine kleine Premiere organisiert, wo geladene Gäste zum ersten Mal den Film sehen konnten. Danach wurde er durch eine Kooperation mit RedBull im Internet exklusiv auf deren Homepage gezeigt. Jetzt ist er für jeden frei verfügbar auf meinem Vimeo-Kanal „Valentin Rapp Film“.

 

Welche Filme drehst du sonst?

Für mich privat sind es meistens Sportfilme. Mein Geld verdiene ich aber mit verschiedensten Projekten. Dabei drehe ich unter anderem Messe-,Image- oder Eventfilme.

 

Würdest du gerne mal einen Spielfilm drehen?

Gerade fasziniert mich eher die dokumentarische als die fiktive Arbeit. Die Herausforderung, reale Geschichten und Emotionen zu zeigen, macht mir sehr viel Spaß.

 

Hast du schon einen neuen Slackline-Lauf geplant?

Selber habe ich gerade kein Projekt im Auge. Ich lasse mich da immer gerne von Ideen aus meinem Team überraschen.

 

Wirst du die nächste Aktion wieder filmen?

Sicher!