Julia Plank: Wildes Herz

Sie macht Singer-Songwriter-Pop und das seit mehr als 20 Jahren. Diese Lebenserfahrung hört man der Musik von Julia Plank an, die Elemente aus Folk, Jazz und Chancon mischt und gleichzeitig ganz neu verbindet. Jetzt hat sie das Video zu ihrem Debütalbum „Wildes Herz“ veröffentlicht, das sie mittels Crowdfunding finanziert hat. Wir haben uns mit Julia Plank darüber unterhalten, wie sich Erfolg in ganz jungen Jahren anfühlt, warum persönliche Krisen künstlerisch wachsen lassen, welche Chancen und Risiken Crowdfunding für Bands bereithält und warum ihr Herz heute wilder ist als in ihren Zwanzigern.

 

Zaz trat auf der Straße auf, Rod Stewart ebenso wie die Kelly-Family. Was lernt man als Musiker auf der Straße, was einen keine andere Bühne lehrt?
Man ist dort mitten im Strom des Lebens und die Leute sind mit ihrem Kopf bei Ihrer Einkaufsliste oder beim nächsten Termin. Kein Bühnenraum. Kein gedämpftes Licht. Keine inszenierte Aufmerksamkeit. Man lernt als Straßenmusiker ohne Hilfsmittel einen Raum zu schaffen, in dem sich die Menschen einem zuwenden und einen paar Minuten lang zuhören.

 

Du warst noch vor dem Abi im Tonstudio auf Mallorca, der Weg in die große weite Musiker-Welt stand offen. Warum hat´s nicht als Teenie-Star geklappt?
Ich hab damals ganz deutlich gespürt, dass das nicht mein Weg ist. Warum wusste ich nicht. Die Vorzeichen standen gar nicht so schlecht. Es war damals richtig für mich zu gehen und von der Bühne erst mal hinter die Kulissen zu wechseln. Ich hab durch meinen beruflichen Weg so viel wichtig Handwerkszeug gelernt, das mir heute sehr hilft.

 

Statt auf Cover-Songs hast Du früh auf eigene Lieder gesetzt. Warum singst Du so gern auf Deutsch?
Als Jugendlicher der 90ger Jahren habe ich meine ersten Songs auf Englisch geschrieben. Damals war das in. Aber ich habe gemerkt, dass die meisten Menschen gar nicht verstehen, was ich in den Texte sage. Die Musik ist irgendwie an ihnen vorbeigerauscht und sie haben sich nebenher unterhalten. Als ich begonnen habe auf Deutsch zu singen, war es plötzlich muxmäusschenstill. Die Leute haben zugehört, auf eine Art und Weise, die mich tief berührt hat.

 

Auf deinem Debüt-Album erzählst du von enttäuschten Hoffnungen und der Sehnsucht, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben. Wie viel persönlich Erlebtestes steckt in den Songs?
In diesem Album stecken 15 Jahre meines Lebens. Sie erzählen von einer fast zehnjährigen Beziehung, an die ich sehr geglaubt habe, von deren Ende, das mich in große Umbrüche und Neuorientierung gestützt hat, und von den Versuchen wieder ein inneres Zuhause zu finden. Ich habe alles hineingelegt, was in meinem Herzen war. Daher der Titel „Wildes Herz“.

 

Finanziert hast Du das Album über Crowdfunding. Würdest du diese Finanzierung anderen Künstlern empfehlen?
Crowdfunding ist eine aufwendige und vor allem steuerlich teure Finanzierungsform. Wenn man das als Einzelkünstler durchziehen will, muss man sich sehr gut informieren, sonst macht das keinen Sinn.

 

Du bezeichnest „Wildes Herz“ als Nischenproduktion. Warum?
Weil wir das Album ohne „Klick“ aufgenommen haben, also ohne Metronom, ohne Samples und ohne Bass und Schlagzeug. Herausgekommen sind sehr feinsinnige Arrangements mit Gitarre, Klavier, verschiedenen Sounds, Klarinette und Posaune, die sich ganz am Puls des Moments orientieren, in dem wir sie gespielt haben. Ich mag das, wenn Musik so atmen darf und so natürlich ist. Fernab vom Mainstream. Das ist meine Wohlfühlnische.

 

Live erleben kann man „Die Plank“ u.a. am 17.02. im Le Pirate, Rosenheim, 08.03. im NUTS, Traunstein, 27.04. Amadeus Bühne, Bad Endorf, 11.05. Ladenbergen, Bergen, und 01.06. Theater-Strickerei, Grabenstätt