In unserer Rubrik "Köpfe" - Django Asül im LUDWIG Talk

 

Django Asül, Niederbayer mit türkischen Wurzeln, hat sich längst einen Platz in den vordersten Reihen der Kabarett-Welt erobert. Er entzündet ein wahres Feuerwerk an absurden und amüsanten Geschichten aus den Bereichen Politik, Gesellschaft und Sport. Gerade ist er mit seinem sechsten Soloprogramm „Letzte Patrone“ unterwegs. Wir haben mit ihm gesprochen – über Patronen, Schüsse, Europa und das Wesentliche im Leben.

 

In Ihrem neuen Programm verschießen Sie die „Letzte Patrone“. Gegen wen?

Der Titel kam zustande, weil mir auffiel, dass das Programm übertrieben formuliert eine Art Vermächtnis geworden ist. Es geht um meinen eigenen Mikrokosmos, ohne den Makrokosmos außer Acht zu lassen. Jetzt fällt mir grad auf, welch herrlich depperte Antwort mir gleich zur ersten Frage eingefallen ist. Das Programm ist noch taufrisch. Aber die bisherigen Auftritte haben schon gezeigt: Stimmungsmäßig ist es auf Augenhöhe mit einem Schützenfest in der bayerischen Halbhochebene. Viele Zuschauer haben mir gesagt, dass ich mehr Gaudi denn je verbreiten würde.

 

Bei der letzten Patrone muss der Schuss natürlich sitzen – lange geübt?

Eine richtige Gaudi bedingt eine gewisse Treffsicherheit. Das geht nicht ohne Präzision. Das hat aber weniger damit zu tun, ob ich daheim wochenlang vor dem Spiegel übe. Es ist eher das Akribische bei der Vorbereitung mit viel Liebe zum Detail. Und nachdem ich jetzt schon einige Auftritte vor sehr großem Publikum absolviert habe, kann ich sagen: Es sitzt in jeder Hinsicht.

 

Im Visier Ihres Programmes haben Sie das Wesentliche. Was ist das?

Das Wesentliche ist auf alle Fälle das direkte Umfeld, das man hat. Denn das prägt einen am meisten. Ich halte mich beispielsweise seit Geburt sehr viel in meinem Heimatort auf. Nicht nur daheim, sondern vor allem auch in der Öffentlichkeit. Ich merke immer mehr, dass ich die Hengersberger Öffentlichkeit gar nicht als öffentlich empfinde, weil ich ja die meisten Leute seit meiner Geburt kenne. Daraus speist sich viel in „Letzte Patrone“. Von meinem täglichen Stammtisch im Café über den Krieger- und Veteranenverein bis hin zu Leuten, die zu meiner persönlichen Entwicklung mindestens so viel beitragen haben wie meine Eltern.
Das Eindreschen auf Politiker langweilt mich. Weil Politiker in dem, was für mich wesentlich ist, keine Rolle spielen.

 

„Die Bundesregierung hat die Implosion Deutschlands auf der Agenda“, heißt es in der Programm-Ankündigung. Sind Sie ein Kritiker der Flüchtlingspolitik?

Hochinteressant, dass Sie einen Zusammenhang zwischen Implosion und Flüchtlingen herstellen! Sagen wir mal so: Frau Merkel wollte der Welt zeigen, wo der Hammer hängt. Und irgendwann musste sie feststellen, dass sie nur einen Fliagnklatscher in der Hand hat. Außerdem hat sie betont, dass sie nicht imstande ist, die Kontrolle der deutschen Grenzen aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig sollen andere EU-Länder für Merkels Alleingänge büßen. Das ist wie wenn man einen Nichtschwimmer zum Bademeister macht, der dann die Feuerwehr vom Nachbarort holt, falls wer unterzugehen droht.

 

Eigentlich sind Sie gelernter Bankkaufmann. Django Asül hinter dem Bankschalter ist schwer vorstellbar ...

Das kann ich so nicht stehen lassen. Denn ich bin ja Sparkassenkaufmann. Und der Sparkassler ist ja die moralische und ethische Topversion des Bankers. Außerdem ist der Weg vom Schalter zur Bühne nicht weit. Denn in beiden Fällen gilt es, gegen eine gewisse Gebühr für Unterhaltung zu sorgen.

 

Vielleicht wären Sie ja ein sehr erfolgreicher Banker geworden?

Wieso wäre? Ich bin ja ein erfolgreicher Banker geworden. Schließlich haben meine Zuschauer durch meine Arbeit einen Mehrwert im Leben. Und ich bin dabei nicht Pleite gegangen. Mit so einer Bilanz können nicht viele Finanzinstitute mithalten. Im Gegensatz zu vielen Banken bin ich nach wie vor kreditwürdig. Die Europäische Zentralbank ist mit mir definitiv zufriedener als mit der Deutschen Bank.

 

Warum haben Sie zum Kabarett gewechselt?

Wie gesagt, ich sehe es gar nicht so sehr als Wechsel. Eigentlich habe ich ja nur die Währung getauscht. Aus D-Mark wurde Gaudi. In meiner endlosen Weisheit habe ich damals schon geahnt, wohin die Ausweitung der EU und die Einführung des Euro führen würden. Und das war mir dann einfach zu stressig, irgendwann den Kunden erzählen zu müssen, dass sie mit ihren Einlagen später für griechische Flopbanken haften sollen. Außerdem habe ich in Hengersberg ein festes Ritual: Bevor ich zum Stammtisch ins Café gehe, schaue ich immer erst in der Sparkasse vorbei.

 

In Ihrer Heimat Deggendorf hatten Sie in einem Buchgeschäft vor fast 20 Jahren Ihren ersten Auftritt. Wie war die Resonanz?

Glücklicherweise saßen ja praktisch nur Bekannte im Publikum, weil ich über Gymnasium, Tennisklub und Sparkasse sehr viele Leute kannte. Da hatten 80 Leute Platz und die mussten sich auch die Karte kaufen. Dementsprechend war das fast schon ein Fest für mich. Ich hatte keine Ahnung vom Kabarett, aber scheinbar konnte ich mehr oder weniger für Unterhaltung sorgen. Denn eine Woche später waren es dann an anderer Stätte in Deggendorf tatsächlich schon 110 Leute. Mit so einem Start war ich mehr als zufrieden und habe dann gemäß dem Motto „learning by doing“ immer hart an der Qualität gearbeitet.

 

Gibt es Tage, an denen Sie überhaupt keine Lust haben, auf die Bühne zu gehen?

Definitiv nicht. Vielleicht bin ich mal tagsüber bissl gestresst oder schlapp. Aber bis 20 Uhr bringe ich mich in Hochform mit der richtigen Regeneration. Man darf nie, selbst nach über 20 Jahren auf der Bühne, vergessen: Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass sich Menschen Wochen und Monate auf einen Auftritt von mir freuen. Ich sitze ja oft bei Einlass irgendwo im Saal und schaue zu, wenn die Leute sich auf die Plätze begeben. Diese Vorfreude in den Gesichtern zu sehen, ist das optimale Doping für mich.

 

Die „Letzte Patrone“ bedeutet aber nicht, dass es Ihr letztes Soloprogramm ist, oder?

Die Sparkasse Deggendorf hat mich letztes Jahr darauf hingewiesen, dass ich lediglich für 25 Jahre freigestellt wurde. Nach dieser Berechnung müsste ich 2019 wieder antreten. Gerade weil eben dann mit dem Einberufungsbescheid der Sparkasse zu rechnen ist, wurde dieses Programm zu dem, was ich am Anfang schon erwähnt habe: ein Vermächtnis.