Von der Idee zum Film

Sebastian Schindler, den Namen kann man sich merken. Denn der 21-Jährige aus Soyen bei Wasserburg hat gerade ziemlich Unmögliches möglich gemacht: Mit dem Mini-Budget von nicht einmal 2000 Euro hat er die 50-minütige Komödie „Ein Dorf steht Kopf" gedreht, bei der bekannte Schauspieler, Comedians und bayerische Originale unentgeltlich mitspielen. Er produzierte den Film nicht nur, sondern führte auch Regie und hatte die Idee für die Geschichte.

 

Die Story

In Langsham ist die Welt noch in Ordnung, zumindest folgt das Leben in dem oberbayerischen Dorf einem recht gemütlichen Rhythmus. Mobilfunk, Internet, so modernes Zeugs gibt´s nicht, zumindest nicht in Langsham. Obwohl, die Bürgerinnen hätten das schon recht gerne und der Bürgermeister (Matthias Christian Rehrl) bemüht sich auch redlich. Als er in einer Bürgerversammlung über sein Engagement und die Fortschritte in Sachen Breitband spricht, ereilt ihn ein Schuss. Ein Hexenschuss um genau zu sein, wie das Ärzte-Team (Kabarett-Duo „Steckerlfisch und Schlagsahne“) fachkundig diagnostiziert. Das einzige, was ihm da noch helfen kann, ist eine zweiwöchige Amts-Auszeit. Aber niemand will ihn vertreten. Wäre da nicht sein zwölfjähriger Sohn Seppi (Vitus Droppelmann) wäre Langsham zwei Wochen ohne Bürgermeister. So aber erlebt der Ort eine denkwürdige Epoche, es regiert der zwölfjährige Seppi. Sein Motto: Ned kena gibt´s ned. Macha zaid. (Für alle, die mit diesem Idiom nicht so ganz vertraut sind, hier die Übersetzung: Nicht können, gibt´s nicht. Was zählt, ist es zu tun). Zu welch skurrilen Konsequenzen das führt, kann man in der Komödie „Ein Dorf steht Kopf“ miterleben.

 

Das Team

Spaß an der Freud war das Motiv der Schauspielerinnen und Schauspieler, die bei „Ein Dorf steht Kopf“ mit dabei waren. Denn das Mini-Budget reichte nicht für Gagen. Unentgeltlich spielten u.a. mit: der Schauspieler Matthias Christian Rehrl, das Comedy-Duo „Steckerlfisch und Schlagsahne“, die Kabarettistin Franziska Wanninger sowie 20 Kinder aus Schindlers Heimatgemeinde Soyen. Den Titelsong

komponierte der Musiker „Oimara“ extra für den Film.

 

Das Interview

 Kinder an die Macht, davon sang bereits Herbert Grönemeyer. Aber dass ein Zwölfjähriger eine bayerische Gemeinde als Bürgermeister regiert, diese Idee ist neu. Wie kamst Du darauf?

 In der Politik wird viel gesprochen, aber oftmals wenig gemacht. Bei Kindern ist das anders. Die sagen, was sie wollen, und tun alles dafür, dass sie es auch bekommen. Ich fand es deshalb spannend, das Bürgermeisteramt einem Kind anzuvertrauen und zu sehen, was sich im Dorfleben alles verändern könnte.

 

Was können Kinder als Hauptdarsteller besser als Erwachsene?

 Sie sind wesentlich lockerer als Erwachsene. Außerdem lernen sie ihren Text im Nu. Das hat mich bei unserer Kinderszene richtig fasziniert.

 

Du selbst hast ja auch schon in jungen Jahren in Filmen, z.B. in der Komödie „Vaterfreuden“ von und mit Matthias Schweighöfer, mitgespielt. Jetzt hast Du „Ein Dorf steht Kopf“ produziert und Regie geführt. Vor der Kamera oder hinter der Kamera – wo stehst Du lieber?

Mittlerweile überall gleich gern. Das war aber nicht immer so, denn als Kind war ich extrem schüchtern. Aber inzwischen würde mir etwas abgehen, wenn ich nicht auch als Schauspieler „meinen Senf“ dazugeben dürfte.

 

Hattest Du beim Verfassen des Drehbuchs eine bestimmte Musik im Ohr?

Nein, zu der Zeit habe ich mir da überhaupt noch keine Gedanken gemacht. Erst als es in die Post-Produktion ging, hatte ich eine ungefähre Vorstellung, was es werden sollte. Als großer Gerd Baumann Fan („Wer früher stirbt ist länger tot“...) hätte ich mir seine Songs gut in meiner Produktion vorstellen können. Nachdem die aber schon in anderen Filmen verwendet wurden, wollte ich natürlich auch was Eigenes haben und habe mich auf die Suche begeben.

 

Wie konntest Du Beni Hafner, besser bekannt als „Oimara", und Phil Höcketstaller a.k.a „Hundling“ für Dein Filmprojekt begeistern?

Meine Regie-Assistentin Michaela Droppelmann hat den „Oimara“ zufällig auf einer Mixed-Show entdeckt und ihn mir vorgeschlagen. Ich habe ihn dann per Facebook einfach angeschrieben und gefragt. Er fand die Idee auf Anhieb toll und komponierte eigens für den Film den Titelsong „Ois steht Kopf“. Den Phil habe ich zufällig auf Spotify entdeckt. Selbes Prinzip wie beim Oimara: Facebook-Nachricht, Antwort, Zusammenarbeit.

 

Die Darsteller wirken unentgeltlich mit. Wie bringt man Schauspieler dazu, ohne Gage zu arbeiten?

Ich hatte das Glück, durch meine Zeit auf der Schauspielschule und meine zahlreichen Kabarett-Besuche einige Künstler persönlich zu kennen. Nachdem ich dann das Drehbuch fertig hatte, habe ich es an die Leute geschickt, die mir passend erschienen. Erfreulicherweise fanden sie das Buch und ihre Rollen so gut, dass die fehlende Gage kein Thema war.

 

In sieben Tagen hattet Ihr den Film im Kasten. War damit die Arbeit vorbei?

Die eigentliche Arbeit hat dann erst richtig angefangen. Die Post-Produktion, also Schnitt, Vertonung, Effekte..., musste gemacht werden. Das dauerte mehrere Monate, unter anderem deshalb, weil ich derzeit mitten drin in der Ausbildung zum Videoredakteur bin. Also wurden die Arbeiten am Film auf den Feierabend, die Wochenenden und den Urlaub geschoben. Komplett fertig war unser Streifen erst zwei Tage vor der Premiere.

 

Die ersten Vorstellungen sind gelaufen und waren ein richtiger Erfolg. Jetzt erst mal zurücklehnen und ein bisschen Ruhm genießen oder hast Du schon ein Folgeprojekt im Kopf?

Auf einen genauen Zeitpunkt für einen neuen Film möchte ich mich noch nicht festlegen. Aber eines kann ich sagen: Es wird wieder was kommen.

 

Sehen kann man „Ein Dorf steht Kopf"

am Ostermontag, 02.04., beim Hubbi, Hemhof, Bad Endorf, Reservierungen unter Tel.: 08053 / 1819 

am Sa., , 07. 04, 20 Uhr, So., 08.04.,  So., 22.04., 19 Uhr, Gasthaus Brandmühle,

Sa., 14.04., 20 Uhr, Klostercafé Gars, VVK unter Tel.: 08073/ 9147187, mehr Infos zum Film, und weitere Vorstellungstermine unter www.eindorfstehtkopf-film.de 

 

- Fotos: Michael Denz -