Berührende Momentaufnahmen

Seit 30 Jahren ist Markus Mauthe mit der Kamera unterwegs. Seine Bilder öffnen den Blick für die Schönheit der Natur. Aber Mauthe ist nicht nur Fotograf, sondern auch „Umweltaktivist mit Kamera“, wie er sich selbst nennt. In seinem neuesten Projekt „An den Rändern des Horizonts“ porträtiert er weltweit indigene Gemeinschaften und zeigt Bilder einer immer mehr verschwindenden Welt. Zu erleben ist diese einzigartige Multivisionsshow live in Bad Endorf und Traunstein.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?
Ich hatte und habe das Privileg, in meinem Leben viel reisen zu dürfen. Dies hat mir die Möglichkeit eröffnet, sehr viel von unserem wunderschönen Planeten erkunden zu können. Diese Erfahrung möchte ich in Form meiner Bilder und Berichte an andere weitergeben. Und gleichzeitig die Begeisterung für die Schönheit und Vielfalt intakter Naturen entfachen. Denn nur was wir lieben und was uns gegenwärtig ist, das sind wir auch bereit zu schützen.

 

Sie haben für dieses Projekt 13 Reisen unternommen und 22 indigene Volksgruppen besucht. Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Auswahl getroffen?
Ich hatte zwei Ansätze. Zum einen wollte ich die ungeheure Anpassungsfähigkeit des Menschen darstellen, deshalb habe ich vier unterschiedliche Lebensräume ausgewählt: Wald, Grasland, Wasser und Eis. Dafür war ich in Afrika, in Asien, am Nordpolarkreis und in Südamerika unterwegs. Außerdem wollte ich kulturelle Besonderheiten dokumentieren wie die Gesichtstätowierungen der Chin-Frauen in Myanmar.

 

Wie war es möglich, die Menschen vor Ort kennenzulernen?
Jede Begegnung verläuft anders und folgt doch einem gewissen Protokoll. Grundsätzlich habe ich immer einen einheimischen Guide bei mir, der mit den korrekten Verhaltensweisen innerhalb der besuchenden Gemeinschaften vertraut ist und natürlich auch deren Sprache spricht.

Was hat Sie aus fotografischer Sicht am meisten gereizt?
Am wichtigsten war mir dabei, die Schönheit und Würde eines jeden Einzelnen zu zeigen. Ich habe versucht herauszuarbeiten, was sie einzigartig macht. Und alles, was auf meinen Fotos zu sehen ist, ist noch Realität. Denn das Wissen und die traditionellen Fähigkeiten, die ich abgebildet habe, sind noch da. In seltenen Fällen wurde ein Kleidungsstück für eine Aufnahme übergezogen oder wurden Fähigkeiten gezielt aufgeführt, weil sie im Alltag kaum noch Verwendung finden. Die Phase des Übergangs in die Moderne ist in vollem Gang. In zehn Jahren werden viele dieser Motive so nicht mehr möglich sein.

 

Sie arbeiten in enger Partnerschaft und als Referent Greenpeace. Wie kam es dazu?
Ich war vor 16 Jahren an einem Punkt angelangt, an dem ich es nicht mehr verantworten konnte, nur zum Selbstzweck unterwegs zu sein. Es fühlte sich einfach nicht mehr richtig an, den Leuten mit schönen Bildern eine vermeintlich heile Welt zu präsentieren. Ich wollte mein fotografisches Können deshalb in den Dienst der Erhaltung der Natur stellen. Mir geht es dabei hauptsächlich darum, die globalen Zusammenhänge aufzuzeigen und klar zu machen, warum es im übertragenen Sinne eben doch wichtig sein kann, wenn in China der symbolische Sack Reis umfällt. Oft sind ja die kleinen Geschichten ein Spiegelbild des großen Ganzen. Deshalb ist auch das aktuelle Projekt über die indigenen Völker für Greenpeace relevant. Viele der Indigenen, die ich portraitiert habe, haben lange im Einklang mit der Natur gelebt, über Generationen waren sie fester Bestandteil intakter Ökosysteme. Heute sind die Gesellschaften im Wandel begriffen: ihre Lebensräume werden massiv bedroht durch Abholzung, Überfischung, Staudämme, die Suche nach Öl, Gas und anderen Rohstoffen und die weltweite Intensivierung der Landwirtschaft. Hinzu kommen die immer schwerer wiegenden Auswirkungen des Klimawandels. Mit meiner Arbeit versuche ich den bedrohten Gemeinschaften eine Stimme zu geben, weil sie viel zu oft ungehört bleiben. Ich hoffe, dass meine Bilder und Geschichten die Besucher meiner Vorträge zum Nachdenken darüber anregen, auf welche Art und Weise und mit welchen Werten wir in Zukunft leben wollen.

 

Foto-Live-Vortrag am Sa., 23.02., 19.30 Uhr, Marias Kino, Bad Endorf, und am So., 24.02. 18 Uhr im Vereinshaus Traunstein, Eintritt kostenfrei

 

- Fotos: Markus Mauthe/greenpeace -