In unserer Rubrik "Köpfe":

Filmproduzentin Tanja Schmidbauer bringt bayerische Komödien in die Kinos

 

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Diese Lebensweisheit gilt manchmal auch für Geschwister. Obwohl Tanja Schmidbauer eher neben ihrem Bruder Andreas steht. Gemeinsam produzieren sie Filme, wie den Überraschungserfolg „Hinterdupfing“, der 2014 über 50.000 Besucher in die Kinos lockte und es an die Spitze der Kinocharts deutscher Filme schaffte. Derzeit drehen sie „Austreten“, eine Komödie über den möglichen Austritt Bayerns aus Deutschland, der pünktlich zur Bundestagswahl 2017 in die Kino kommen soll. Wir haben mit ihr über Komödien, Bayern und das Filmgeschäft gesprochen.

 

„Hinterdupfing“ war ein erfundener Ort, „Austreten“ ist eine phantastische Geschichte. Sie sind in Prien aufgewachsen. Wie viele reale Erfahrungen stecken in den Drehbüchern?

Sehr, sehr viel. Wir schreiben Drehbücher über das, was wir aus unserem eigenen Leben kennen und worüber die Menschen hier reden, was sie beschäftigt. Dadurch kamen wir auch auf die Story von „Austreten".

 

Die Menschen hier möchten, dass Bayern aus Deutschland austritt?

Das haben wir natürlich zugespitzt. Aber darüber, dass Bayern als souveräner Staat funktionieren könnte, wird immer wieder spekuliert. Wir entwickeln diesen urbayerischen Wunsch in „Austreten“ weiter, erzählen eine Geschichte auf unterschiedlichen Ebenen, die ohne Klischees und Stereotypen auskommt.

 

Haben Sie hier in der Region gedreht?

„Austreten“ ist ein Roadmovie, das quer durch Bayern führt. Aber viele Drehorte sind natürlich hier: Die Kampenwand gehört dazu, der Steg am Yachthotel, Gstad und einige Locations in Rosenheim.

 

Eine Komödie ist ein Lustspiel. Warum haben Sie sich für dieses Genre entschieden?

Als wir anfingen, haben wir gesagt, wir machen alles außer Komödien. Und heute drehen wir ausschließlich bayerische Komödien. Weil wir uns in bayerischen Stoffen wiederfinden, weil sich das Publikum in unserer Komik wiederfindet.

 

Schmidbauer-Film ist (noch) ein small player im Filmbusiness. Wie gewinnen Sie bekannte Schauspieler wie Markus Böker, Eisi Gulp oder Peter Rappenglück?

Dreistigkeit siegt, würde ich mal sagen. Markus Böker hat, wie die anderen auch, nachdem wir ihn angerufen hatten, eine kleine Rolle in „Hinterdupfing“ übernommen und war von unserer Art zu drehen ziemlich angetan. Im Drehbuch von „Austreten“ haben wir eine Rolle ganz auf ihn zugeschnitten, da konnte er gar nicht mehr Nein sagen.

Ihre Filme sind 100 Prozent bayerisch. Was macht für Sie Bayern aus?

Ich war viel und gerne im Ausland und trotzdem immer wieder froh, wenn ich nach Hause zurückkam. Denn Bayern ist meine Heimat. Seen, Berge, das Lebensgefühl, die Kultur und die Sprache lösen etwas in mir aus, was ich nirgends sonst finde.

 

Schränkt der Dialekt nicht die Vermarktung ein?

Definitiv, aber der Dialekt ist ein wesentlicher Teil unserer Filme, er spiegelt die Menschen und ihre Art zu denken wieder. Das wird vielleicht nicht in Berlin oder Hamburg verstanden, aber hat bei „Hinterdupfing“ auch in Baden-Württemberg und Österreich funktioniert.

 

Sie sind jetzt 23 Jahre alt und machen seit 2003 Filme. Was bringt einen Teenager auf die Idee, sich hinter die Kamera zu stellen?

Daran sind unsere beiden Omas schuld. Die eine hatte uns zu Weihnachten eine Lego-Kamera geschenkt, mit der man Einzelbild-Animationen machen konnte. Und wir machten nichts anderes mehr. Als wir dann begannen, mit einer Video-Kamera Kurzfilme wie die „Chiemsee-Killer“, einen Verschnitt der Rosenheim-Cops, zu drehen, stellte uns die andere Oma ihren Keller als Filmstudio zur Verfügung. Da trafen wir uns mit unseren Freunde zum Filmemachen. Sieben davon sind dabei geblieben, gemeinsam sind wir das Kernteam von Schmidbauer-Film.

 

Hat es Sie nie vor die Kamera gezogen?
Ich schlüpfe auch schon mal in eine Rolle, aber mein Herzblut gehört der Produktion, denn ich will von A bis Z dabei sein, von der ersten Vorbesprechung bis hin zum Verkauf der letzten DVD.