„Blödeln ist für mich viel ergiebiger als gscheide Sachen sagen“

Ein Gespräch über die Magie von Musik, bayerischen Humor, Rückzugsorte und sein neues Programm.

 

Warum heißt Ihr neues Programm „Paris, New York, Alteiselfing“?

Die Idee zu dem Titel ist schon ewig alt. Um genau zu sein, entstand sie 2001. Damals hieß die Band noch „Schinderhannes“ und wir tourten durch die Gegend. An einem Tag spielten wir in Paris, daraufhin hätte New York folgen sollen. Allerdings wurde der Auftritt aufgrund des Attentats vom 11. September abgesagt. Der direkt darauffolgende Termin war in Alteiselfing im Landkreis Wasserburg. Und damit war der Titel geboren. Er verschwand allerdings erst einmal in der Schublade.

 

Auch „Schinderhannes“ wurde kurz darauf aufgelöst.

Richtig. Das war keine leichte Zeit. Wir haben einfach gemerkt, dass es, so wie es war, nicht weiterging. Also habe ich meine Soloprogramme entwickelt und bin allein getourt. Das Musikmachen hat mich allerdings nie losgelassen. Deshalb die Gründung der „Ringlstetter“-Band vor drei Jahren.

 

Und die „Paris, New York, Alteiselfing“-Idee wurde wieder konkret.
Genau. Als ich dann gefragt wurde, ob ich ein Buch schreiben könne, dachte ich mir, dass sei die perfekte Möglichkeit, um zu erzählen, wie das damals alles so war. Wie es dazu kam, dass es heute ist, wie es ist. Und dazu sollte eine CD her. Das Album ist die Dokumentation meiner Reiserei. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich seit 25 Jahren in der Gegend herumfahre. Ich bin ja permanent immer irgendwo.

 

Und wo am liebsten?

Keine leichte Frage. Ich bin gerne in München bei meiner Familie. Allerdings halte ich es in der Stadt nicht lang aus. Drei Tage, und ich werde ganz unruhig. Dann muss ich raus aufs Land. Dort ist mein Lieblingsort, mein Haus im Labertal. Da ist wirklich nichts. Rechts fließt die Laber, links ist der Wald und das war’s.

 

Wie lange dauert es dort, bis Sie zur Ruhe kommen?

Wenn ich ankomme, bin ich für zwei Stunden extrem hibbelig. Aber dann mache ich ein Feuer, rauche eine Zigarette und spiele ein wenig auf der Gitarre. Dann ist alles gut.

 

Was bedeutet Heimat für Sie?

Niederbayern ist Heimat für mich. Weil ich diese Düfte, die Gerüche, die Landschaft in mir habe. Mittlerweile würde ich aber auch sagen, dass Heimat da ist, wo meine Crew ist. Die Leute, die dieses Zigeuner-Leben mit mir leben.

 

Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen nieder- und oberbayerischem Humor?

Humor spiegelt wider, was die Menschen bewegt, was in ihrem Alltag von Belang ist. Daher erlebe ich eher einen Unterschied zwischen Stadt und Land in Bayern. Wenn man will, könnte man von einem urbanen und ruralen Humor sprechen.

 

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Ich hätte gerne, dass man versteht, dass es eine Mischung ist. Eine Mischung aus Humor und sehr direkter Sprache und einer zweiten, größeren Ebene. Ich wünsche mir, dass die Leute auch diese zweite Ebene entdecken. Dann bin ich zufrieden. Außerdem habe ich einfach noch eine kindliche Albernheit in mir. Blödeln ist für mich viel ergiebiger als gscheide Sachen sagen.

 

Ihr neue Programm ist beides: Musik und blödeln.

Richtig. Es soll auch beides sein. Schließlich kennen mich eben viele als den Hannes, der auf der Bühne seine Show macht.

 

Ihre Lieder sind rockig und bayerisch. Warum funktioniert das momentan so gut?

Wahrscheinlich, weil die Welt gerade immer unübersichtlicher wird. Und deshalb gibt es diesen Wunsch nach Verortung. Und Sprache ist das Einzige, das einen noch verortet. Momentan sehnen sich die Menschen nach ein wenig Heimat in der großen weiten Welt.

 

Vermitteln Sie in Ihrem Programm eine Botschaft?
Ich habe schon vor langer Zeit beschlossen, dass ich meine Sicht dem Publikum nicht aufdrängen will. Ich will die Menschen unterhalten, ihnen für den Moment und die Stunden danach eine gute Stimmung schenken. Wenn ich „nebenbei“ vermitteln kann, dass man nachdenklich ist und trotzdem den Humor nicht verlieren muss, umso besser. Musik und Humor sind für mich der Schlüssel, um den geistigen Horizont offen zu halten.

 

LUDWIG-Talk 07/2017