Der Chiemgaubarde in der Hallertau...

Aus der Überlegung, die ich mit Konstantin Wecker teile, dass der deutschsprachige Liedermacher mehr und mehr ausstirbt, habe ich in München den Sendlinger Kulturpreis in die Welt gesetzt, einen Förderpreis, für den sich Liedermacher und Musikkabarettisten bewerben können. So bin ich also stets auf der Suche nach Kandidaten, die meiner Vorstellung entsprechen. Ich kombiniere meine Suche mit persönlichen Auftritten, die ich in ganz Bayern wahrnehme und spreche dort potentielle Kandidaten an. Dabei habe ich schon verschiedene Juwelen entdeckt.

Vor allem in der letzten Zeit in Ingolstadt, Geisenfeld, Abensberg und Langquaid, also mitten in der „Holledau“ stieß ich auf Talente, von denen immer wieder einige bereit sind, beim Sendlinger Kulturpreis teilzunehmen. Die Kandidaten bringen ihre Fans und Familien zur Unterstützung nach München mit und es beginnt mit jeder Bewerbungsrunde ein neuer freundschaftlicher Kulturaustausch.
Im Gegenzug werde ich immer öfter nach dorthin eingeladen, und da z.B. nach Geisenfeld kein Zug fährt, holt man mich in Rohrbach ab und bringt mich auch wieder pünktlich zum Zug nach München. So brauche ich das überraschende Angebot eines weiblichen Fans: „Der Rudi übernacht´ heut´ bei mir!“ nicht direkt wahrnehmen und fühle mich dort doch sehr zu Hause.

 

Unabhängig von meinen Erlebnissen in der Hallertau, stelle ich mehr und mehr fest, dass viele Künstler sich eingeladen fühlen, ihre selbstgeschrieben englischen Texte ins Deutsche zurück zu übersetzen. Als wenn ihnen der Klartext in der Muttersprache doch lieber ist als das oft Mysteriöse in der Fremdsprache, mit dem nicht jedermann etwas anfangen kann. Außerdem haben wir als Liedermacher eine heimliche Übereinstimmung dahingehend, dass es nicht unerheblich ist, was man auf der Bühne von sich gibt. Ein Bob Dylan würde sich hüten, seine Botschaften in Deutsch zu verbreiten. Das können wir besser, darum sollten wir uns darin üben, in deutschem Klartext unsere Anliegen zu formulieren. Und wenn wir davon bewegt sind, ist die ganze Welt bewegt. Und wenn wir damit anfangs nicht viel Geld verdienen, ist das immer noch kein Grund in die Comedy-Szene abzuwandern, wo vieles unter die Kategorie „mehr vom Gleichen“ fällt und der Liedermacher auf der Strecke bleibt. Schade um jeden Einzelnen.

 

Der Sendlinger Kulturpreis hat bisher alle Teilnehmer ermutigt, als Liedermacher dran zu bleiben und weiterhin mit Fleiß und Mut der Welt eine Verbundenheit anzubieten. Nicht wenige der bisherigen Preisträger haben mit ihren authentischen Texten und Auftritten bundesweit gute Plätze belegt und so manche Trophäe gewonnen. Für mich ist es eine große Genugtuung, wenn ich auf diese Art der Kunstszene beitragen kann. Als Liedermacher werde ich wohl nicht mehr reich werden, jedoch kann ich meinen guten Namen dazu verwenden, dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten, sich zu verwirklichen.

 

Bleibt bitte weiterhin so einzigartig. Die Welt wartet auf Euch.

 

Danke

Euer Rudi Vietz