Krisenmanagement in der Kreativ-Szene

Fast alle Bereiche des alltäglichen Lebens sind stark von der Corona-Pandemie betroffen. Besonders die Kreativ-Szene hat mit den Auswirkungen des Lockdowns und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen und Auflagen zu kämpfen.

 

„Alle Konzerte wurden abgesagt oder verschoben, gemeinsame Proben waren und sind ja auch noch nicht möglich. Aber nachdem wir Raygun Rebels keine Kinder von Traurigkeit sind, kommen wir auch in dieser Zeit ganz gut um die Runden und man konnte sich mal um Sachen kümmern, die sonst hinten anstehen müssen. Wichtig ist immer, dass man möglichst aus allem das Positive rauszieht: Dank der gewonnen Zeit ist unser Proberaum so sauber wie schon lange nicht mehr! Dennoch können wir es kaum erwarten, wieder gemeinsam die Bühnen stürmen zu dürfen, vielleicht ja dann sogar mit neuem, aus der Krise gewonnenem Songmaterial!"

(Danny Raygun, Musiker und Sänger von den Raygun Rebels)

 

„Wir waren mehr als enttäuscht, als wir unsere Filmpremiere, samt Tour und Kinostart auf unbekannte Zeit verschieben mussten. Vor allem wenn man noch jung ist und am Anfang steht, ist so eine Erfahrung schmerzhaft. Aber sie zwingt einen auch, mit Ausnahmesituationen umgehen zu lernen und das Beste draus zu machen. So konnten wir noch an Kleinigkeiten am Film schleifen und sind voller Vorfreude, unsere Komödie endlich dem Publikum präsentieren zu dürfen!“

(Sebastian Schindler, Schauspieler und Regisseur von „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn")

 

„Der Corona-Shutdown war notwendig, hat das gesellschaftliche Leben aber zum Erliegen gebracht. Die Herausforderung der momentanen Situation ist vor allem die Planungsunsicherheit. Wie kann das kulturelle Leben wieder hochgefahren werden? Welche Veranstaltungen und Einrichtungen können unter Vorgaben und Maßnahmen wieder zum Laufen gebracht werden? Wie verändert sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten, auch hinsichtlich der anstehenden Ferien?“

(Manfred Brzoska, Stadt Tittmoning)

 

„Ich assoziiere mit der Krise Wortneuschöpfungen, die mir auf den Senkel gehen, Leute, die Verschwörungstheorien zum Opfer fallen und einige Menschen, die Regeleinhaltung mit der Stasi verwechseln. Humor hilft! Ich hoffe, dass das kulturell ausgehungerte Publikum alle Künstler nach dieser herausfordernden Zeit unterstützt und deren Auftritte zahlreich besucht. Ich freue mich auf ein Bühnencomeback und kann es außerdem kaum erwarten, dass der Film „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ endlich in den bayerischen Kinos läuft. Es heißt, dass eine Krise auch Wachstum bedeuten kann, daran möchte ich glauben!"

(Christian Haller, Comedy-Duo Steckerlfisch & Schlagsahne)

 

„Natürlich war diese Krise erst einmal ein Schock, gerade als dann eine Gig-Absage nach der anderen hier ankam. Und auch eine Release-Party zu unserer ersten EP „KNOCK, KNOCK!" mussten wir uns leider abschminken. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand und nehmen uns gerade viel Zeit für anstehende Planungen und die Entwicklung von Marketingstrategien."

(Catherine Van Bruce, Sängerin von Mulberry Sky)

 

„Die Bühne fehlt mir und Geld natürlich auch. Aber dafür gibt es viele positive Menschen, die mich seit Wochen mit der großen Weisheit quälen, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Deshalb probiere ich ständig neue Sachen aus. Sport zum Beispiel - kann aber sehr anstrengend sein. Sogar Yoga empfinde ich manchmal als echte Frechheit. Schon das Zuschauen bereitet mir ernsthafte Schmerzen. Und dann habe ich mir noch gedacht: „Wahrscheinlich schreiben jetzt alle Kollegen ein Lied oder ein Buch über ihre Corona-Zeit. Und deshalb mach ich das jetzt auch." Das Buch kommt im Herbst raus und es heißt: „Rampensau ohne Bühne!" Man kann sich‘s jetzt schon im Netz anhören (auf Spotify, Soundcloud oder meiner Homepage)."

(Michael Altinger, Kabarettist)

 

„Ich hab die Zeit genutzt, um meine Schulter reparieren zu lassen. Die Genesung läuft im Einklang mit den Lockerungen, die Arbeitskraft wächst mit den Aufgaben. Die zwei Monate vergingen rasant, es gab keine Termine, die in der Zeit Halt gegeben hätten. Faul-Sein im Stunden-, Tages-, Wochenfluss, das hatte schon was, man könnte sich daran gewöhnen. Damit jetzt der Schnitt nicht zu hart wird, sind die Lockerungen nur häppchenweise. Söder schaut auf uns und will nicht, dass wir uns gleich überarbeiten, es wird wohl ein gemütlicher Sommer. Mein Programm für Herbst steht, ich hoffe sehr, dass bis dahin wieder Normalität eingekehrt ist.“

(Hubbi Schlemer, Schauspieler, Autor, Musiker, Veranstalter und Inhaber des Kramerwirts in Hemhof)

 

„Für mich als Schauspielerin ist es schmerzhaft, wie wenig wir von der Politik gesehen werden und durch alle Soforthilfe-Raster fallen, bis nun nach acht Wochen und unter äußerem Druck doch endlich ein Formular zur Unterstützung von uns freien Künstlern bereitgestellt wurde. Wir sind eben, wie die Kanzlerin sagte, kein „systemrelevanter Wirtschaftszweig“.

(Claudia Hinterecker, Schauspielerin und Kabarettistin)

 

„Erstmal war es natürlich ein Schock und eine völlig neue Situation, dass auf unbestimmte Zeit das Nuts-DieKulturfabrik und auch das Studio16 schließen muss. Bis heute sind rund 60 Veranstaltungen ausgefallen, auch alle Vereinsveranstaltungen und Feiern konnten nicht stattfinden. Außerdem musste ich alle Theaterproben aussetzen und konnte selbst nicht auf der Bühne stehen. Seit Ende Mai darf nun zum Glück die Gastronomie wieder schrittweise öffnen, sodass ich zumindest den Biergarten im Studio16 am Wochenende bewirtschaften kann. Das ist mal ein erster Schritt und stimmt mich positiv. Im Nuts wird es wohl erst im Herbst wieder möglich sein überhaupt Veranstaltungen zu machen und es bleibt abzuwarten, was die Auflagen dann zulassen. Wahrscheinlich wird man umdenken und sich auch neue Konzepte einfallen lassen müssen. Aber ich bin optimistisch, wir haben es jetzt 21 Jahre geschafft, den Kulturbetrieb als privat geführter Familienbetrieb aufrecht zu erhalten, dann wird uns auch mit oder nach Corona genug einfallen."

(Franz-Josef Fuchs, NUTS-Die Kulturfabrik und Studio16 in Traunstein)

 

„Auch das Haus der Kultur wurde von der Corona-Krise schwer getroffen und musste ab Mitte März komplett geschlossen werden. Sämtliche Veranstaltungen bis August sind abgesagt.

Seit 2 Wochen nun läuft der hausinterne Regelbetrieb aber wieder an und wir sind bemüht, für so viele Veranstaltungen wie möglich Ersatztermine zu finden sowie die eigene Programmplanung für die kommende Saison voranzutreiben; alles unter der Berücksichtigung, die Gesundheit von Zuschauern wie Mitwirkenden zu wahren.“

(Ludwig Lamprecht, Allgemeine Kulturverwaltung, Haus der Kultur in Waldkraiburg)

 

Fotos: Bildwerk 82, Martina Bogdahn