Mathias Kellner im Interview

Gelernt hat er Schreiner. Als er nach der Lehre nicht übernommen wurde, gründete er mit Unterstützung des Arbeitsamtes eine Singer-Songwriter-Ich-AG. Heute gehört er zu den bekanntesten Heimatsound-Künstlern. Mathias Kellner über Businesspläne, die emotionale Kraft von Musik und die Herzlichkeit von Menschen bei uns in der Region.

 

Wie hast Du das Arbeitsamt von Deiner Singer-Songwriter-Ich-AG überzeugt?
Die Idee war abwegig, zumindest für den Sachbearbeiter. Aber er verfolgte seine Anweisungen und forderte mich auf, einen Businessplan einzureichen. Davon hatte ich schlicht und ergreifend keine Ahnung. Aber im Internet fand ich so einen Plan. Und zwar den eines Nagelstudios. Den schrieb ich um und reichte ihn ein. Mit Erfolg. Mein Antrag wurde genehmigt und meine AG wurde gefördert.

 

Vom Arbeitsamt auf die große Bühne, denn mit Deiner ersten Band warst Du u.a. im Vorprogramm von Claudia Koreck und Katie Melua. Was war das für ein Gefühl?
Lampenfieber kenne ich nicht. Vielleicht weil ich auch Jahre zuvor viel aufgetreten bin, nur halt nicht beruflich. Auf der Bühne fühle ich mich wohl und weiß genau, was ich da tue.

 

Gestartet bist Du mit englischsprachigen Songs, heute singst Du in Mundart. Wie kam´s dazu?
Englisch ist eine super Songsprache und bietet den Vorteil, dass es etwas Distanz zum Inhalt des Liedes schafft. Dieser Vorteil ist aber auch gleichzeitig ein Nachteil. Denn im Bairischen kann ich Themen mit mehr Herz und mehr Emotionen beschreiben. Was auch zur Folge hat, dass mir bei einem traurigen Lied schneller die Tränen kommen, weil es die Sprache ist, in der ich denke, fühle, träume und mit der ich aufgewachsen bin.

 

Dein neues Album heißt „Tanzcafé Memory“. Woran erinnerst Du Dich in den Songs?
Ich bin kein besonders nostalgischer Mensch. Aber aus der Vergangenheit, also aus dem Weg, der hinter mir liegt, kann ich viel Energie ziehen. So habe ich vor ein paar Jahren auf dem Album „Zeitmaschine“ Erinnerungen aus meiner Jugend verarbeitet, im neuen Album geht es um Kindheitserinnerungen.

 

Um die „gute alte Zeit"?
So abwegig finde ich den Spruch gar nicht. Denn vieles war wirklich gut, zumindest für die meisten von uns. Wir konnten als Kinder und Jugendliche unbeschwert leben und die Welt entdecken. Die Erwachsenen kümmerten sich um den Rest. Das war ein tolles Lebensgefühl. Aber jetzt sind wir erwachsen, tragen Verantwortung und es ist an uns, die Welt zu gestalten und den Kids ein möglichst unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

 

Du stellst Dein neues Album auch in unserer Region vor. Was fällt Dir ein, wenn Du an unsere Gegend denkst?
Die Menschen hier haben eine andere Lebenseinstellung als die Menschen in Niederbayern und der Oberpfalz, wo ich herkomme. Bei uns sind die Leute verschlossener, reagieren häufig abwartender und grantiger. Den Grant mag ich den Oberbayern natürlich nicht absprechen, aber in und um Rosenheim, Wasserburg und Traunstein trifft man als Künstler auf ein herzliches Publikum, das sich spontan begeistern lässt und cool miteinander umgeht.

 

Live erleben kann man Mathias Kellner am 5. Oktober im Postsaal in Trostberg