„Was mir heute wichtig ist"

Sein aktuelles Album „iD“ ist bereits mit Platin prämiert und zeigt, wie sich Michael Patrick Kelly musikalisch weiterentwickelt hat. Aufgewachsen in der legendären Kelly-Family war er Zeit seines Lebens auf der Bühne und im Scheinwerferlicht. 2003 veröffentlichte der heute 41-Jährige sein Solo-Debüt „In Exile“ und ging danach in ein Kloster in Frankreich. 2011 kehrte er zurück ins Musikgeschäft und gehört heute zu den meistgefeierten Stars in Deutschland. Vor seinem Auftritt auf dem Münchner Königsplatz haben wir uns mit dem Künstler unterhalten.

 

„iD“ steht für Identität, wie würdest du deine Identität beschreiben?

Mein Album „iD“ repräsentiert meine musikalische Identität, die sich hauptsächlich in den Genres Pop, Rock & Folk abspielt. In den Songtexten gibt es biographische Elemente, aber vor allem eine Menge Themen, die über meine persönlichen Erfahrungen hinaus gehen. Menschen haben sich schon immer diese Fragen gestellt, „Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir?“, umso mehr in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Veränderungen, die Ungewissheit und Unsicherheit mit sich bringen. Die Identitätsfrage, wofür wir stehen und auch Verantwortung tragen, ist vor allem in Europa sehr aktuell. Zu meiner persönlichen Identität gehören drei Lebenskapitel: Die Bandgeschichte mit der Familie, der Ausstieg ins Kloster und mein Leben heute als Solomusiker. Aus dieser ganzen Zeitspanne hat sich herausgeformt, was mir heute wichtig ist, wo meine Leidenschaft liegt, was mir fehlt und wonach ich suche. Die Songs auf dem Album „iD“ geben einen ehrlichen Blick auf meine Identität und das, was mich durch andere Menschen geprägt hat.

 

Über sechs Jahre warst du im Kloster, warum war dieser Schritt für dich notwendig?
Ich war auf der Suche nach mehr. Wollte mehr vom Leben als nur Spaß, in Fußballstadien Konzerte geben oder in einem Schloss wohnen. Das war zwar spannend, aber es konnte die innere Leere in mir nicht füllen. Ich habe nach dem Sinn meines Lebens und nach Gott gesucht. Dann habe ich den Lebensstil der Mönche entdeckt und das hat mich fasziniert. Diese Lebensform, in der man 24 Stunden am Tag auf das Wesentliche fokussiert ist. Denn im Alltag lassen wir uns ständig von unwichtigen Dingen blenden, beschäftigen uns mit Sachen, die langfristig gar nicht relevant sind. Das kann zu einem Leerlauf der Kräfte bis hin zu Erschöpfung führen.

 

Was hast du dort gesucht und gefunden?
Bevor ich ins Kloster ging, hatte ich die Lust an der Musik verloren. Sie war damals nur noch Mittel zum Zweck. Der nächste Hit musste her, die Passion für die Musik blieb oft auf der Strecke. In der Stille des Klosters habe ich unter anderem auch die Lust zum Musik machen wiedergefunden und an manchen Tagen hagelte es Inspirationen für Songs. Ich habe auch das innere Glück im Kloster und im Glauben gesucht und gefunden. Aber es war nicht meine Berufung, Mönch zu sein. In mir steckt ein Mönch und eine Rampensau. Diese Rampensau hatte im Kloster keine Bühne. Heute lebe ich beides und bin ausgeglichener als ich lange Zeit war.

 

In der letzten Staffel von „The Voice of Germany“ warst du Coach und konntest die Staffel mit dem Talent Samuel Rösch gewinnen. Steht ihr noch in Kontakt? Und was ist hat dich an der Arbeit mit jungen Talenten am meisten beeindruckt?
Wir stehen noch in Kontakt. Auch die anderen Talente aus meinem Team sehe ich ab und an mal bei meinen Shows. Es war toll zu sehen, was für Stimmwunder noch versteckt irgendwo schlummern. Als Coach versuche ich sie zu motivieren, gute Erfahrungen zu sammeln, und zu wachsen in den Gebieten, wo noch Potential in ihnen steckt. Es ist von Talent zu Talent unterschiedlich, was noch gebraucht wird. Bei manchen ist es Gesangstechnik, bei manchen der Umgang mit Lampenfieber und Druck. Viele können gut singen, aber nicht alle können dann gut singen, wenn es drauf ankommt. Sicherheit und Bestätigung ist eine Sache, die alle brauchen. Selbst die Profis haben manchmal Unsicherheiten und das ist etwas Menschliches.

 

Vor zwei Jahren hast du schon einmal bei „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“ mitgemacht. Jetzt bist du als Gastgeber zurück. Wie war das?
Ich habe mich im Vorfeld sehr intensiv mit jedem Künstler auseinandersetzen dürfen: Seine Biografie gelesen und mich mit seinem Werk vertraut gemacht. 2017 hatte ich mich nur um meine Songs gekümmert und dann mein Bestes gegeben. Diesmal musste ich zusätzlich Biographien filtern und Fragen entwickeln: Wer ist Johannes Oerding? Was hat ihn dazu gebracht, gerade diesen Song zu schreiben?

 

Haben die zwei Staffeln deine Musik verändert?

2017 entstand der Titelsong meines Albums „iD“ auf dem Weg nach Südafrika. Dort habe ich dann tolle Kollegen sehr gut und nah kennenlernen können und dadurch ist dann die Zusammenarbeit mit Gentleman bei dem Song entstanden. Das wäre ohne die Show niemals passiert! Dieses Jahr konnte ich mit Jennifer Habens „Unbroken“ meine Jugendleidenschaft für Grunge und Hardrock wiederbeleben. Da „shoute“ ich ein bisschen. In meiner Version klingt der Song jetzt fast wie „Rage against the machine“. Ich glaube, dass ich ihn im Sommer mit in mein Live-Programm nehme.

 

Live erleben kann man dich bei der Abschlussshow deiner Tour „iD Live“ am 15. September auf dem Königsplatz in München. Wie wichtig sind dir Live-Auftritte und worauf können sich die Fans freuen?
Ich mag die kreative Arbeit im Studio sehr. Aber ich liebe es, live zu spielen! Die Bühne ist mein Element – da bin ich wie ein Fisch im Wasser. Meine Live-Konzerte sind wie eine Achterbahn der Gefühle. Mit Publikum und Band erleben wir einiges: vom richtig Party machen bis hin zu einem besonderen Moment der kompletten Stille - und alles dazwischen.
Die Show am 15. September in München wird allerdings etwas ganz Besonderes sein: ich schließe mit dem Konzert das Kapitel „iD“ nach knapp 2,5 Jahren mit einer riesigen Abschlussshow ab. Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber es werden einige zusätzliche Überraschungen auf die Zuschauer zukommen!

 

Am So., 15.09., 19 Uhr, ist Michael Patrick Kelly live am Münchner Königsplatz zu erleben. Tickets unter www.myticket.de 

 

Fotos: Andreas H. Bitesnich, Andreas Nowak