Austreten – ist auch (k)eine Lösung

Ein Gespräch mit dem Schauspieler und Kabarettisten Tom Kreß über den Kinofilm „Austreten“, bayerische Sonderwege, bierernste Komik und die Lust am Spiel

 

Bayerns Ministerpräsident äußert sich missverständlich und setzt eine Kettenreaktion in Gang. Glaubst du, dass auch in Wirklichkeit viele Bayern aus Deutschland austreten möchten?

 

Nach dem Motto „Mia san mia“ und „wir sind überhaupt die Besten“ denken das vielleicht einige und sagen das auch daheim oder unter Freunden. Aber das ist nur so ein Gefühl. Verstandesmäßig bleiben wir Bayern gerne ein Teil Deutschlands.

 

Wie ist der Medien-Hype zu erklären, der sich um den bayerischen Brexit im Film entwickelt?

 

Weil es ein Riesenthema ist, wenn ein Politiker einmal das sagt, was der Bürger insgeheim in der stillen Kammer denkt. Dieses „dem Volk aufs Maul schauen“ kommt an und bringt Quote.

 

Greift der Film die Anfälligkeit für Fake News auf?

 

Eigentlich witzig, als die Schmidbauers das Drehbuch schrieben, war weder vom Brexit noch von Fake News die Rede. Damit war „Austreten“ seiner Zeit voraus bzw. hat genau das thematisiert, was jetzt diskutiert wird.

 

Deine Rolle im Film ist es, als Pressesprecher die Aussage des Ministerpräsidenten glatt zu bügeln. Gelingt dir das?

 

Nicht wirklich. Aufgrund politischer Intrigen und des Medien-Hypes scheitere ich als Pressesprecher kläglich, umso mehr da unser Ministerpräsident im Film flieht und sich aus der Politik zurückzieht.

 

Nach dem Überraschungserfolg „Hinterdupfing“ ist „Austreten“ der zweite Kinofilm, den du mit Schmidbauer-Film gedreht hast. Was gefällt dir an der Arbeit mit den Schmidbauers?

 

Ich bin schon so lange im Geschäft, dass ich weiß, was verlangt wird. Bei Schmidbauer-Film geht es viel lockerer zu, weniger autoritär, dafür ist jeder, der dabei ist, megaengagiert. Das macht Freude und weckt in uns Schauspielern natürlich noch mehr die Spielfreude.

 

Was sind die wichtigsten Zutaten, die dich vom Drehbuch überzeugt haben?

 

Allen voran die Story, die Themen komödiantisch aufgreift, die wirklich brennen wie Fake News und Brexit. Dem Schmidbauer-Team gelingt es, diese Themen komplett bayerisch zu gestalten, „nebenbei“ ein super Roadmovie abzudrehen und tolle Darsteller zu gewinnen. Als ich hörte, dass Markus Böker die Hauptrolle spielt, freute ich mich besonders,  da wir beide vor zehn Jahren die Hauptrollen in einer Folge der "Weißblauen Geschichten" drehten und ich ihn seitdem sehr schätze.

 

Welche Szene von den Dreharbeiten hat sich dir besonders eingeprägt?

 

Ganz klar die Pressekonferenz. Die drehten wir im Bayerischen Hof in Prien mit ca. 100 Komparsen. Und für 100 Menschen war der Raum echt klein, zudem dauerte der Dreh ziemlich lang. Und obwohl es echt anstrengend war und die meisten der Komparsen keine Erfahrung mit Dreharbeiten hatten, ist es den jungen Menschen von Schmidbauer-Film gelungen, alle bei der Stange zu halten und eine tolle Atmosphäre einzufangen.

 

Warum sollte man sich „Austreten“ deiner Meinung nach unbedingt ansehen?

 

Weil man dabei vergnügte Zeit erlebt und lachen kann. Ich persönlich vermisse gute Komödien, denn von zehn Filmen, die ich im Fernsehen oder Kino zu sehen bekomme, sind neun Krimis mit Mord und Totschlag. „Austreten“ bietet dagegen jede Menge Situationskomik und herrlich schräge Dialoge.

 

Du lebst in Bernau am Chiemsee. Damit war ein Großteil der Dreharbeiten sozusagen direkt vor Ihrer Haustür. Macht das die Arbeit leichter?

 

Es ist schon ein besonderes Vergnügen, wenn man gerade einmal 3,5 Kilometer zum Dreh zurücklegen muss und bei den Komparsen Nachbarn und Bekannte dabei sind.

 

Was ist Heimat für dich?

 

Ganz klar die Berge. Sie schenken mir Ruhe, Zufriedenheit und wirken wir Balsam für meine Seele.

 

Fotos: Alba Falchi