Und jetzt?

Bis zum 25. September steht in Bad Aibling die „Mutmach-Tafel“. Sie ist 7,5 Meter breit und 2,5 Meter hoch. Jede(r) kann darauf mit Kreide Antworten auf die Fragen „Welche Ängste würde ich gerne überwinden? Wo möchte ich mutiger sein?“ schreiben. Initiiert wurde diese Aktion in Kooperation mit der Fachklinik Alpenland des Deutschen Orden Ordenswerke vom Verein Mut & Courage Bad Aibling. Wir haben bei der Vorsitzenden Irene Durukan nachgefragt.

 

Mit der Mutmach-Tafel wiederholen Sie eine Aktion, die 2013 bereits Furore gemacht hat. Damals wurde ein Kunstprojekt der New Yorkerin Candy Chang mit der Frage: „Bevor ich sterbe möchte ich ...“ umgesetzt. Welche Antworten wurden gegeben?

Die Antworten haben die gesamte Bandbreite abgedeckt und reichten von witzigen Einträgen wie „Ich möchte so gerne die Handy-Nummer von Jesus“ oder „das weltbeste Kartoffelsalat-Rezept“ über Wünschen wie „Ich möchte ein Buch schreiben“ oder „um die Welt reisen“ bis hin zu Anliegen, die Wesentliches ausdrücken. Dazu gehörten für mich die Antwort: „Ich möchte Spuren hinterlassen, bevor ich gehe“ genauso wie der Wunsch „Ich möchte mich mit meiner Tochter aussöhnen“. Besonders beeindruckt hat mich auch der Satz eines Geflüchteten, den er auf Englisch auf der Tafel notierte: Er wünschte sich in seinem Leben die Chance, seine Eltern noch einmal wiederzusehen. Durch diese Sätze sind Menschen miteinander ins Gespräch gekommen, standen lesend und diskutierend vor der Tafel.

 

Wie viele haben damals an der Aktion teilgenommen? Mit wie vielen rechnen Sie dieses Jahr?

Wir zählen die Teilnehmer nicht und da wir die Tafel jeden Tag wischen, lässt sich das auch nicht anhand der Antworten sagen. Aber wir haben gesehen, dass Jugendliche ebenso wie Rentner kommen, Antworten suchen und manchmal auch welche finden.

 

Was erhoffen Sie sich von der jetzigen Aktion?

Gerade durch die Corona-Maßnahmen fühlen sich viele Menschen alleingelassen. Wir möchten eine Möglichkeit bieten, um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über die Dinge auszutauschen, die wirklich wichtig sind.

 

Mutig sein im Alltag – wie kann das Ihrer Erfahrung nach aussehen?

Niemand muss ein Held sein. Mutig ist, wer hinsieht, etwas sagt, wenn zum Beispiel gemobbt oder ausgegrenzt wird, Haltung zeigt.

Helfen Kunst-Aktionen, die auf der Straße stattfinden, mutiger zu sein und Ängste zu überwinden?

Wir haben festgestellt, dass allein die Sensibilisierung etwas bewirkt. Diese Fragen und die Antworten darauf führen dazu, dass sich mehr Menschen mit den Themen „Ängste und Mut“ beschäftigen, darüber reden und sich austauschen. Und da die Aktion sozusagen auf der Straße stattfindet, gibt es keine Hemmschwelle, man kann ganz einfach mitmachen.

 

Den Verein „Mut & Courage Bad Aibling“ gibt´s jetzt seit zehn Jahren. Was kann ein Verein hier in der Region bewirken, wenn es um große Fragen wie Ängste und Mut geht?

Wir wollen kreative Impulse in Richtung Zivilcourage geben und die Menschen vor Ort zum Nachdenken und Handeln bewegen. Natürlich sind wir bundesweit vernetzt, sehen aber in der Regionalität eine große Chance darin, dass sich die Bürger bewusst werden, dass sie es sind, die Einfluss darauf haben, ob und wie wir aufeinander achtgeben und miteinander umgehen.

 

Foto: Frank Schmidt