Adrenalinkick und Glücksmomente

Kennen Sie das? Sie gehen auf eine Party, obwohl sie keine allzu große Lust haben, und dann wird es ein rauschendes Fest. In etwa so ist es mir ergangen, als in der Redaktion die Idee aufkam, ich könnte mich einmal auf Wasserskiern versuchen. Ich? Auf Wasserskiern? Wo ich doch noch nicht mal auf normalen Skiern stehen kann. Aber manchmal ist es wichtig, die Komfortzone von dem, was man ohnehin kann, zu verlassen, um etwas Neues für sich zu entdecken. Und das habe ich: Den Nervenkitzel vor dem Start, den Zug des Seils in den Armen, den Fahrtwind im Gesicht, das Flattern der Knie, das sich sofort auf die Skier überträgt, den Adrenalinkick vor jeder Kurve, das Gefühl auf dem Wasser zu schweben, das Herzklopfen, als ich die Balance verliere, das risikofreie Eintauchen in den See und die Glücksmomente beim zweiten, sehr viel entspannteren Versuch. Möglich war dies, weil ich mein Wasserskiabenteuer unter professioneller Anleitung an „einem der schönsten Wasserskilifte der Welt“ unternommen habe. So wird der Wasserskilift am Hödenauer See in Kiefersfelden tituliert, was bei der Lage am Fuße des Kaisergebirges durchaus zutreffend erscheint.

 

Die Einweisung

Was ich wann wie auf den Skiern machen sollte, vermittelte mir Jana Wittenbrock. Die Weltmeisterin und 18-fache Deutsche Meisterin im Wasserski-Slalom traf dabei genau den richtigen Ton: Fachlich fundiert, ruhig und mein Selbstbewusstsein stärkend erklärte sie mir den Bewegungsablauf und das Steuern. Also versuchte ich vor dem Start tief in die Hocke zu gehen, ruhig zu atmen und dem Zug des Seils mit Spannung der Arme zu begegnen. Was den Start relativ einfach macht, ist die Tatsache, dass am Wasserskilift nicht wie beim Wasserskifahren hinter dem Boot aus dem Wasser, sondern direkt vom Steg weg auf der Wasseroberfläche gestartet wird. Erstaunlicherweise gelang mir das auch gleich beim ersten Mal. Mein Fahrstil hatte zwar in Sachen Körperspannung jede Menge Optimierungspotential, aber ich schaffte beim ersten Versuch mehr als die halbe Runde. Beim zweiten Versuch hielt ich mich knapp die gesamten 790 Meter, die so eine Runde misst, auf den Skiern. Mein Herz klopfte bis zum Hals, als ich wieder aus dem Wasser auftauchte, und gleichzeitig flutete mich eine große Portion Glücksbotenstoffe.

 

Das Erlebnis

Wasserskifahren am Hödenauer See ist ein Erlebnis für alle Sinne. Dafür sorgt die Lage, denn der Dank des Wasserskifahrens extrem sauerstoff- und fischreiche See ist eingebettet in grüne Wiesen und wird eingerahmt vom Kaisergebirge. Aber auch die Anlage selbst bietet sehr viel mehr als „nur“ den Wasserskilift. Die Sonnenterrasse und der Sandstrand vermitteln Urlaubsfeeling, das Restaurant bietet u.a. knackige Salate, italienische Pasta und die wohl besten Burger im Umkreis. Was absolut überzeugt sind die Menschen, die bei Wetsports arbeiten. Natürlich Jana Wittenbrock, die ihr Know-how als Wasserski-Weltmeisterin genauso kompetent und sympathisch weitergibt wie der Deutsche Wakeboardmeister Bernhard Hinterberger. Beruhigend wirken auch die beiden Hebler Hannes und Bero, die den Wasserskilift schon mehr als ein Viertel Jahrhundert bedienen, jedes Schräubchen kennen, die tägliche Wartung des Lifts überwachen und den Gästen am Start mit Tipps zur Seite stehen.

 

Die Schlussfolgerung

Was mit einer Portion Skepsis begann, hat sich im besten Sinne zu einem Alltagsabenteuer entwickelt. Ein Abenteuer, das ich mit meiner Familie wiederholen werde. Denn ein Tag am Hödenauer See bietet alles, was den Urlaub daheim perfekt macht.


Raphaela Kreitmeir in LUDWIG 07/2017