Wetrekord auf dem Wasser

Jana Wittenbrock hat ihren eigenen Weltrekord im Wasserski-Slalom noch einmal überboten. Sie schaffte beim Weltcup am Hödenauer See drei Bojen am nur 10,25 Meter kurzen Seil zu umfahren. Eine Ausnahmeleistung, mit der sie das 50-jährige Jubiläum des Wasserskilifts Kiefersfelden krönte. Wir haben uns mit ihr über Leistungswillen, Erfolgserlebnisse und die Lust am Wasserskifahren unterhalten.

 

18-fache Deutsche Meisterin im Slalom, Europameisterin, Weltmeisterin und jetzt zum zweiten Mal Weltrekord-Halterin: Was treibt dich zu derartigen Leistungen an?
Im Wettbewerb geht´s ums Ganze, denn man hat genau diesen einen Versuch, wenn der nicht klappt, fliegt man raus. Ich mag die Klarheit dieses K.o.-Systems, es ist für mich immer wieder ein spannender Nervenkitzel.

 

Wie viel Training steckt hinter einem Weltrekord?
Viel. Auf den Weltrekordversuch habe ich mich ein halbes Jahr intensiv vorbereitet. Neben Kraft- und Koordinationstraining stand mentales Training und Fokussierung im Mittelpunkt. Insgesamt richtet man sein ganzes Leben auf den Wettbewerb hin aus.

 

Und wie hast du den Wettbewerb erlebt?
Ein bisschen war ich wie in einem Tunnel. Ich hatte das Ziel vor Augen eine Boje mehr zu schaffen als bei meinem Weltrekord 2015. Was um mich herum geschah, drang eigentlich gar nicht zu mir durch. Bei der 11-Meter-Seillänge waren wir noch zu viert, soviel bekam ich mit. Beim 10,75 Seil war ich schon allein. Als dann die Länge auf 10,25 Meter verkürzt wurde, habe ich mich bei der ersten Boje zu spät gedreht, kam dadurch schlecht zur zweiten. Aber ich wusste, ich brauche noch die dritte, wenn es ein Weltrekord werden soll. Also habe ich mich extrem klein gemacht, was bei meinen 1,84 Metern gar nicht so leicht ist, und bin um die Boje rumgekommen, zwischen Ski und Boje hätte gefühlt nur noch eine Briefmarke Platz gehabt. Als ich dann ans Ufer schwamm und die Menschen jubeln sah, ist Schwimmzug für Schwimmzug in meinem Kopf angekommen, dass ich es geschafft hatte.

 

Und dann wurde gefeiert?
Nach der Bestätigung des Weltrekords, dafür wird nochmals die Geschwindigkeit des Lifts und die Seillängen von dem 7-köpfigen internationalen Schiedsrichter-Komitee nachgemessen, habe ich mir noch im Neoprenanzug ein Radler gegönnt. Das war das beste Radler der Welt, denn in dem halben Jahr Vorbereitung hatte ich natürlich keinen Tropfen Alkohol getrunken. Dann fiel langsam die Spannung von mir ab. Gefeiert wurde das ganze Wochenende am Hödenauer See. Der Weltrekordversuch war ja ein Teil des Festes zum 50-jährigen Bestehen des Lifts. Wir hatten die Wasserski-Legenden der letzten 50 Jahre eingeladen, einen Film gedreht, die Weltelite der Slalom-Läufer und Springer vor Ort und am Abend gab´s Party.


Verändert ein Weltrekord das Leben?
Wasserskifahren ist kein Sport, der seine Sportler berühmt oder reich macht. Rekorde fährt man in erster Linie für sich ein. Wobei mich richtig glücklich gemacht hat, dass mein Vater und mein Bruder und natürlich mein Freund da waren und diesen Moment mit mir erlebt haben. Mein Freund Thomas Bauer hatte ja im Wasserskispringen selbst auch einen Weltrekord aufgestellt.

 

Nochmal einen Weltrekord im Sinn?
Ich finde klasse, dass ich es jetzt noch mal zeigen konnte, was ich leisten kann und dass mich dabei das ganze Team vom Wasserskilift Kiefersfelden unterstützt hat. Gleich nach dem Weltrekord wurde ich zu verschiedenen Wettbewerben eingeladen, so zur Europameisterschaft in Minsk und zur Deutschen Meisterschaft in Osnabrück. Den ein und anderen Wettbewerb werde ich sicher noch fahren, aber ich bin jetzt 30, habe in diesem Sport viel erreicht, muss mir und auch anderen nichts mehr beweisen.

 

Bleibst du dem Wasserskifahren treu?
Unbedingt. Ich arbeite ja bei Wetsports am Wasserskilift, kümmere mich am Hödenauer See um alle möglichen Events auf und am Wasser. Aber ich fahre auch weiterhin selbst. Denn Wasserskifahren ist für mich ein Sport, der mit nichts anderem vergleichbar ist. Man ist in der Natur, geht, wenn man Lust hat, aufs Wasser. Und spürt dort immer wieder aufs Neue, wie Kraft, Koordination und Geschwindigkeit zusammenwirken. In der Querbeschleunigung erreicht man sogar zwischen 80 und 100 Stundenkilometer. Das ist ein wirklich cooles Gefühl, auch wenn man das Ausmaß des Tempos gar nicht so mitkriegt.