Bayerischer Soul mit Schmäh

Lena Mentschel, Künstlername Leni, verbindet in ihrer Musik Soul, Funk, Jazz und Pop. Mit „Bipolar“ bringt sie jetzt ihr erstes Album heraus, auf dem sie Bairisch und nicht mehr Englisch singt. Wir haben uns mit der gebürtigen Rosenheimerin über Heimat, die Seele des Dialekts, ehrliche Musik und Crowdfunding unterhalten.

 

Geboren bist du in Rosenheim, aufgewachsen in Riedering. Was kommt dir sofort in den Sinn, wenn du an deine Heimat denkst?

Als erstes habe ich den Blick vor Augen, wenn am Irschenberg das Bergpanorama wie ein wunderbares Versprechen vor einem auftaucht. Ich denke natürlich an meine Familie, aber auch an die Biergärten und das ganz spezielle bayerische Lebensgefühl mit einem Humor, der immer auch ein bisschen schwarz, aber nie bitter ist.

 

In Graz hast du Gesang studiert und lebst auch heute noch dort. Was gefällt dir dort?

Die Landschaft rund um Graz schaut aus wie in der Toskana. Die Stadt selbst ist irrsinnig multikulturell und bunt. Die Bauen erinnern an die K&K-Zeit und mitten in diesem historischen Ambiente findet ein breites und auch extravagantes Kulturprogramm statt. Das sind für mich alles Wohlfühlfaktoren. Aber am wichtigsten ist für mich, dass die Mentalität der Menschen dort der bayerischen sehr ähnlich ist, hier wie dort dominieren Gelassenheit und Humor im Alltag.

 

Bisher waren deine Songs auf Englisch. Jetzt gehst du mit dem neuen Album „Bipolar“ ganz neue Wege, denn du singst auf Bairisch. Wie kam es dazu?

Ich habe immer stärker gespürt, dass ich noch einen Schritt weiter auf das Publikum zugehen möchte. Und als ich dann am Ende eines Konzerts, nach all den englischsprachigen Songs, mein erstes Lied auf Bairisch gesungen habe, war ich mit den Menschen vor der Bühne auf einem ganz anderen Level. Diese Ehrlichkeit und Erdigkeit der Sprache harmoniert perfekt mit der Musik. Denn das Bairische hat so viel Soul, eine coole Sprachmelodie und einen Superflow. Dieses Erlebnis hat mich inspiriert, auf dem neuen Album alle zwölf Songs auf Bairisch zu schreiben.

 

Worum geht es in den Songs auf dem Album?

Die Songs beschreiben die verschiedensten emotionalen Zustände, erzählen vom Leben als Berg- und Talfahrt. Aber immer geht es darum, dass man sich selbst, mit allem, was dazu gehört, gernhaben soll.

 

Wie schreibst du deine Songs?

Meist fallen mir beim Autofahren Textzeilen oder Musiksequenzen ein. Dann halte ich an, nehme sie auf und spinne sie dann, wenn ich Zeit habe, weiter.

 

Jazz, Soul, Funk, Pop – deine Musik vereint viele unterschiedliche Richtungen. Für welche Richtung schlägt dein Herz besonders?

Auf jeden Fall für den Soul. Das erste Mal, als ich einen Song von Prince hörte, da war ich so um die 14 Jahre, ist etwas mit mir passiert: Prince hat mein Herz berührt und ich wusste, dass ich Musik machen will.

 

Finanziert wurde dein neues Album über Crowdfunding. Wie hast du Investoren gefunden?

Das Musikgeschäft ist durch Spotify & Co noch härter geworden.  Songs werden eher konsumiert als bewusst angehört.  Die Zeiten, in denen Labels eine Album-Produktion vorfinanziert haben, sind leider vorbei.  Ich will in meinen Liedern aber trotzdem Geschichten erzählen, und ich bleibe nicht so gerne nur an der Oberfläche.  Eine Textzeile aus dem Titel-Song lautet: „Alles hat immer auch eine Seite, die man nicht gleich sieht“. Ein Album hat sehr viel mehr Aussagekraft, als eine einzelne Single.  Deshalb habe ich das Crowdfunding als Möglichkeit gewählt und in einem kurzen Pitchvideo über meine Musik geredet und die neuen Songs, ganz ohne Technik und Abmischung, einfach angespielt. Dieses Video habe ich dann über die sozialen Medien verbreitet. Am Anfang war´s recht zäh, aber dann hat die Aktion Fahrt aufgenommen. Immer mehr haben sich für unsere Soul-Musik mit bairischen Texten begeistert. Am Schluss haben 117 mitgemacht und eine Summe zwischen 10 und 900 Euro investiert, damit wir „Bipolar“ produzieren konnten.

 

Musikalisch unterstützt wird Leni von ihrer „Boygroup", als da wären Lukas Raumberger (Bass), Thomas Stabler (Schlagzeug) und Michael Lagger (Keyboards).

 

Zwölf Songs zum Zuhören, Grooven, Dahinschmelzen: „Bipolar" von Leni. Deutschland-Release am 27. Juli im Kesselhaus in Kolbermoor.

 

- Fotos: Peter Purgar, Jan Balaz -